Stürzelberg: Jost Auler schreibt neues Buch über einen Vorfahren

Stürzelberger schreibt neues Buch : Mein Vorfahre, der Weltkriegsgeneral

Der Stürzelberger Autor Jost Auler (60) hat sich tief in seine eigene Familiengeschichte eingearbeitet und ein Buch über einen Vorfahren geschrieben, der es vor über 100 Jahren bis zum General brachte.

Jost Auler ist eigentlich Historiker und Archäologe und hat in diesen Sachgebieten bereits einige Bücher veröffentlicht. „Die Familienforschung dagegen interessierte mich bisher überhaupt nicht“, gesteht der Stürzelberger freimütig. Das hat sich mittlerweile geändert, vielleicht weil die Genealogie immer auch mit Geschichte zu tun hat. Und weil man darin ähnlich gut graben kann wie in Erd- und Gesteinsschichten. Jedenfalls hat Auler nun ein gut 120 Seiten umfassendes Werk verfasst, in dem er sich mit einem Vorfahren und dessen ungewöhnlicher Biografie auseinandersetzt. Karl Lorenz Auler (1854 bis 1930) war ein Vetter von Jost Aulers Ururgroßvater Carl Peter, brachte es bis zum General im Ersten Weltkrieg und war darüber hinaus Militärberater im Osmanischen Reich. Sultan Abd ul Hamid II. verlieh ihm den Ehrentitel „Pascha“.

Historische Postkarte aus dem Jahre 1917 aus Ulm. In der Stadt an der Donau war Karl Lorenz Auler zeitweise stationiert, und hier verbrachte er auch seinen Lebensabend. Foto: Jost Auler

Dass er einen hohen Militär unter seinen Ahnen hat, habe er von seinen inzwischen verstorbenen Eltern erfahren, erzählt Jost Auler. Irgendwann habe er sich daran erinnert. Und weil gerade kein anderes Projekt anstand, habe er begonnen nachzuforschen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, weil Informationen über den im Hunsrück geborenen Karl Lorenz Auler nicht leicht zu finden waren. „Das war eine Puzzlearbeit“, resümiert der Stürzelberger, der unter anderem den Fundus des Landesarchivs Baden-Württemberg, des Stadtarchivs Ulm und des Bundesarchivs/Militärarchivs Freiburg im Breisgau bei der Recherche heranzog. Zur Illustration des Buches verwendete er u.a. historische Postkarten und Stadtpläne, Zeichnungen und Zeitungsausschnitte.

Porträtfoto von Karl Josef Auler, von ihm selbst signiert. Foto: Jost Auler

Und das, was sein Vorfahre selbst hinterlassen hatte. Denn Karl Lorenz Auler veröffentlichte selbst zwei Bücher, in denen er von seinen Abenteuern und Reisen berichtete, die ihn bis nach Damaskus und Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, führten. Zu Karl Lorenz Aulers Aufgaben als Militärberater und -reformer im Osmanischen Reich gehörte nämlich die Begutachtung der Hedschas-Eisenbahn, die Damaskus und Mekka miteinander verband. Die Lektüre der Berichte des Generals ist für zartbesaitete Menschen nicht immer geeignet. So schildert er detailliert, wie eine Gruppe Beduinen eines von zwei Kamelen schlachtet und den Kopf des Tieres mit einem großen Taschenmesser abtrennt. „Es dauerte lange Zeit, bis der Kopf ganz abgesäbelt war. Dann wurde das Kamel zerlegt und an die gierig ihren Anteil an der Beute erwartenden El´Ula-Leute verteilt“, schreibt der General. Und fügt fast humoristisch hinzu: „Das andere Kamel hatte während dieser Schlachtung dabeigestanden, ohne sich auch nur zu rühren.“

Diese Orden erhielt der General in der Türkei. Foto: Jost Auler

Karl Lorenz Auler kam zwar aus einer wohlhabenden Familie, sein Vater war Kaufmann und Beigeordneter in Simmern. Für eine Erhebung in den Adelsstand, wie sie durch den deutschen Kaiser Wilhelm an ihn herangetragen worden sei, „konnte er allerdings nicht gewonnen werden“, wie Buchautor Jost Auler festhält.

Seinen Lebensabend verbrachte der weitgereiste „Auler Pascha“ schließlich in Ulm an der Donau. Im Ulmer Tageblatt findet sich in der Ausgabe vom 6. November 1930 ein Nachruf, und auch die Kölnische Zeitung berichtete in einer Ausgabe über den Tod des Militärs.

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