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Dormagen: Studie: Handel braucht besseren Branchen-Mix

Dormagen : Studie: Handel braucht besseren Branchen-Mix

Die Politik verabschiedet bald das neue Einzelhandelskonzept. Defizite gibt es vor allem in den Bereichen Elektro und Gesundheit.

Nach der Sommerpause steht für die Kommunalpolitiker eine der letzten wichtigen Entscheidungen vor der Kommunalwahl an: Sie sollen das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt verabschieden. Ein mächtiges Werk, das vor allem einem Ziel dient: die Dormagener Innenstadt sowie die Nebenzentren und ihre Einzelhändler vor Begehrlichkeiten von finanzkräftigen Filialisten und Großunternehmen zu schützen. Zudem soll dieses Steuerungsinstrument helfen, die Innenstadt und die Ortsteile bestmöglich zu versorgen. Denn Einzelhandel, so sagt das Gutachter-Büro Dr. Jansen GmbH, ist eine wichtige Voraussetzung für Urbanität und Leben in einer Innenstadt. Eine Aufgabe, die den Planern und Wirtschaftsförderern im Rathaus nicht leicht fällt. "Denn alles muss Hand und Fuß haben, um gegen eventuelle Klagen bestehen zu können", sagt Stadtplaner Gregor Nachtwey. Die gibt es, denn mancher bekannte Filialist möchte zu gerne in eine attraktive Lage in einem der 16 Ortsteile investieren, unabhängig davon, was das für die vorhandene Infrastruktur bedeutet. So wurde unlängst ein solcher Ansiedlungswunsch nahe der Esso-Tankstelle am Ortsausgang von Nievenheim abgelehnt.

Foto: S. Büntig

Ein Einzelhandelskonzept fußt auf dem Landesentwicklungsplan. Der regelt, grob gesagt, wo Wohnen, Gewerbe und Industrie sowie Freiflächen vorzusehen ist. Und wo großflächiger Einzelhandel gestattet ist. Es soll verhindert werden, dass riesige Einkaufs- und Fachmarktzentren auf der grünen Wiese vor den Toren der Stadt entstehen, die die Innenstädte ausbluten lassen. Nachtwey weiß aber: "Die Gerichte lassen keine Verhinderungsplanung zu, sondern erwarten von den Städten, dass sie sagen, wo sie etwas haben wollen."

Genau dies soll im neuen Einzelhandelskonzept stehen, das sich auf ein umfangreiches Gutachten der Dr. Jansen GmbH stützt. Darin wird die Innenstadt als Hauptzentrum klassifiziert, sowie Hackenbroich, Horrem, Ückerath und Stürzelberg als Nahversorgungszentren. Die Europastraße (Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik) und Top West werden als Ergänzungsstandorte bezeichnet. In der Innenstadt ist, was Ansiedlungen betrifft, eigentlich alles möglich: klein- oder großflächige Ansiedlungen, mit zentren- oder nicht zentrenrelevanten Sortimenten. In den Stadtteilzentren ist großflächiger Einzelhandel mit Verkaufsflächen von über 800 Quadratmetern untersagt, um Haupt- und Nebenzentren zu schützen. Das Gutachten weist für Dormagen fast 100 000 Quadratmeter Einzelhandels-Verkaufsflächen aus, davon befinden sich knapp über 29 000 Quadratmeter in der Innenstadt. Für die künftige Ansiedlungspolitik gibt es klare Daten: Den größten Bedarf sehen die Gutachten im Bereich Elektrowaren, wo die Verkaufsfläche um fast die Hälfte steigen sollte. Ein Ansatz für das geplante Fachmarktzentrum, wo offenbar auch Media Markt einziehen soll.

Zweites Manko: Der Bereich Gesundheit und Körperpflege. Dort soll die Verkaufsfläche um mehr als ein Drittel steigen. Verkaufsflächenbedarf gibt es auch für Blumen/Pflanzen/Zoobedarf, Bücher/Schreibwaren/Büro und Bau-/Gartenbedarf/Autozubehör.

(NGZ)