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Dormagen: "Strompreise sind spontan gestiegen"

Dormagen : "Strompreise sind spontan gestiegen"

Interview evd-Chef Rudolf Esser nimmt Stellung zur Katastrophe in Japan, die Sicherheit der Atomkraftwerke in Deutschland, steigende Strompreise und die Zukunft der Energieversorgung.

Herr Esser, wie verarbeiten Sie persönlich als Chef des örtlichen Energieversorgers evd die Ereignisse in Japan?

Esser Auch wenn wir nicht unmittelbar betroffen sind: Wir sehen unglaubliches Leid und jetzt auch noch die atomare Bedrohung. Das bedrückt mich wie viele andere.

Bleibt das Schlimmste aus?

Esser Ich hoffe es.

Waren die Japaner nicht gut genug auf ein solches Szenario vorbereitet?

Esser Ein Erdbeben der Stärke 9, der Tsunami, das Versagen der Notversorgung der Kraftwerke – das ist in der Summe viel schlimmer als alles, was die Japaner sicherlich an Szenarien durchgespielt haben.

Melden sich zur Zeit vermehrt besorgte Kunden bei der evd?

Esser Nein, in unserem Kundenforum verzeichnen wir keine Anrufe zu diesem Thema.

Auch nicht zur Herkunft des Stromes, den die evd liefert?

Esser Grundsätzlich kommt der Strom immer aus dem nächstgelegenen Kraftwerk. Der viel genannte Energiemix mit seinem 25 Prozent-Anteil an Kernenergie in Deutschland ist eine statistische Größe; man muss sich das vorstellen wie eine große Badewanne, in die Energie herein- und herausfließt. De facto wird der Strom, den wir in Dormagen verbrauchen, vor allem aus Braunkohle beziehungsweise in den nahegelegenen Kraftwerken gewonnen; dazu kommen Windkraft, Solarenergie und Kraft-Wärme-Kopplung.

Woher kommt der evd-Naturstrom?

Esser Wir haben uns entsprechende Stromkontingente für den Neubau norwegischer Wasserkraftwerke gesichert. Dieser Strom wird nicht vor Ort ins Netz eingespeist, insgesamt trägt dies aber zur Verringerung des CO2-Ausstoßes bei. Klimaschutz spielt sich nicht nur in engen Grenzen einer Stadt ab. Hier gilt: global denken, lokal handeln.

Ist die Katastrophe Beleg dafür, dass Kernkraft einfach nicht beherrschbar ist?

Esser Kernkraft ist eine sehr anspruchsvolle Technologie mit hohem Gefährdungspotenzial. Man kann ihre Risiken nicht vollkommen beseitigen, aber eben höchstmögliche Sicherheitsstandards festlegen.

Halten Sie das sofortige Abschalten der sieben alten Meiler und das Moratorium zur Laufzeitverlängerung für falsch?

Esser Mittelfristig müssen die Kernkraftwerke ohnehin ersetzt werden. Bis vor kurzem galten diese Meiler ja noch langfristig als sicher. Richtig ist jedoch, die Messlatte noch höher zu legen.

Was bedeutet das Abschalten der Meiler für die Stromversorgung?

Esser Die Kraftwerksleistung wird verknappt. Das kann, höre ich aus der Stromwirtschaft, in Einzelfällen zu Problemen führen. Hier muss gegengesteuert werden. Ich rechne bei uns aber nicht mit Problemen.

Wird der Strom teurer?

Esser Die aktuellen Ereignisse in Japan haben schon jetzt Auswirkungen auf die Beschaffungsmärkte. Die Preise sind spontan gestiegen. Das Weitere ist schwer abzuschätzen. Die Verknappung der Kapazitäten, der erforderliche Umbau der Stromnetze und die Investitionen in regenerative Energien werden den Strom voraussichtlich verteuern. Für 2012 haben wir uns bei der evd aber schon weitgehend mit Strom eingedeckt.

NGZ-Redakteur Heiko Schmitz führte das Gespräch

(NGZ)