Dormagen Streitschlichter im Auftrag der Deutschen Post

Dormagen · Rüdiger Raschke ist Qualitätsmanager bei der Deutschen Post und Ansprechpartner, wenn Postboten und Kunden Probleme haben.

 Qualitätsmanager der Post: Rüdiger Raschke.

Qualitätsmanager der Post: Rüdiger Raschke.

Foto: A. Woitschützke

Post auszuteilen, das klingt leicht, doch nicht immer geht es gut, wenn Bote und Empfänger zusammenkommen. Dann schreitet Rüdiger Raschke ein. Er ist Qualitätsmanager bei der Deutschen Post, kümmert sich um die Probleme von Postboten und Kunden, außerdem vermittelt der 55-Jährige zwischen den Parteien.

Eine Zustellerin hat sich an den Experten gewandt. Sie hat Angst, an einem Einfamilienhaus in Dormagen die Post abzugeben. Denn die Eigentümer haben einen großen Hund, der regelmäßig frei auf dem Grundstück herumläuft. Rüdiger Raschke sucht das Gespräch, kann sich schließlich mit den Postkunden darauf einigen, dass sie ein Postfach beantragen, denn: "Die Kunden wollten nicht, dass ihr Hund im Haus bleiben muss", so Raschke. Eine andere Möglichkeit: "Ein weiterer Kunde mit einem freilaufenden Hund hat unserer Zustellerin zuliebe den Briefkasten an der Grundstücksgrenze angebracht, so dass sie das Grundstück nicht mehr betreten muss."

Nicht immer sind die Fälle einfach, doch Raschke ist Optimist: "Ich bin zufrieden, wenn ich eine Lösung gefunden habe, mit der alle einverstanden sind", sagt der 55-Jährige, der seit 1972 bei der Deutschen Post und seit elf Jahren als Qualitätsmanager arbeitet. Zusteller war er selbst zwar nie, dennoch ist er geschult und erfahren genug: "Ich weiß, welche Probleme es geben kann. Und mir kann kein Zusteller etwas vormachen", versichert er.

Zu Raschkes Aufgabengebiet gehören nicht nur Probleme mit Kunden. Er ist auch dafür zuständig, die Betriebsabläufe während der Zustellung zu überprüfen, neue Kräfte zu schulen und die Verbundzusteller in das neue System, das seit Juni gilt, einzuweisen. "Für die Zusteller ist das wichtig. Der Kunde merkt davon aber nichts, sondern leistet weiterhin seine elektronische Unterschrift, wenn er eine Sendung erhält", versichert Raschke. Der Unterschied: Gab es bisher handgeschriebene Benachrichtigungskarten, werden die Daten jetzt mit einem mobilen Drucker zu Papier gebracht.

Der Arbeitstag des Qualitätsmanagers beginnt meist früh – der Verlauf ist völlig offen. "Ich plane den Tag meistens grob, gehe dann aber dringenden Fällen nach, und am Ende läuft er ganz anders, als ich ihn geplant habe", sagt er. "Meistens bin ich vormittags unterwegs und erledige nachmittags die Büroarbeit."

Raschke besucht regelmäßig die Poststützpunkte im Rhein-Kreis Neuss. Jedes Zentrum ist einmal in der Woche an der Reihe. Dort spricht er mit Mitarbeitern, kontrolliert Abläufe und Fahrzeuge und notiert Probleme. Außerdem ist er für die Zusteller der erste Ansprechpartner in allen Lebenslagen: "Wenn zum Beispiel ein Unfall passiert, rufen die Zusteller zuerst mich an. Dann fahre ich hin und unterstütze sie bei dem Gespräch mit der Polizei. Oft hilft es, wenn jemand dabei ist, den man kennt."

Wie beinahe jeder Beruf sei auch der des Qualitätsmanagers eine Medaille mit zwei Seiten: "Auf der einen Seite gibt es Vorgaben, die einzuhalten sind. Auf der anderen Seite liegt es mir am Herzen, den Zustellern zu helfen." Außerdem ist er der ruhende Pol bei Auseinandersetzungen, schafft Probleme mit einem Lächeln, kompetenten Worten und manchmal auch einem Blumenstrauß aus der Welt. Fachkenntnis ist nicht alles: "Fingerspitzengefühl gehört auch zu meinem Beruf", meint er.

(NGZ)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort