1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Streit um Stolperstein beendet

Dormagen : Streit um Stolperstein beendet

Die Stadt Dormagen hat entschieden, den Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus des Widerstandskämpfers in Zons zu verlegen. Im Mai war die Verlegung auf Bedenken des Kreisarchivars hin abgesagt worden.

Kontrovers ist debattiert worden, seit die Stadt im Mai die bereits geplante Stolperstein-Verlegung für Ernst Junghans kurzfristig abgesagt hatte. Jetzt haben sich die Mitglieder des Betriebsausschusses des Kultur- und Sportbetriebs einstimmig entschieden, den Gedenkstein zu verlegen. "Wir sind erleichtert über die Entscheidung", sagt Peter Herrmann, der Enkel von Ernst Junghans. "Man beschäftigt sich ja doch pausenlos damit", sagt seine Frau Helga.

Die Familie hat die Debatten aufmerksam verfolgt, selber zur Aufklärung beigetragen und das persönliche Gespräch mit Archivar Karl Emsbach gesucht. Dessen Intervention hatte im Mai zur Absage der Stolperstein-Verlegung geführt. "Neue Erkenntnisse machen neue Recherchen erforderlich", hieß es damals in der städtischen Pressemitteilung – gemeint waren Einwände Emsbachs, der die Frage stellte, ob es sich bei Widerstandskämpfer Ernst Junghans, einem entschiedenen Gegner der Nationalsozialisten, tatsächlich um ein Opfer des NS-Terrors handele.

Junghans war am 3. Februar 1933, vier Tage nach der Machtergreifung Hitlers, in Zons angeschossen worden und einen Tag später seinen Verletzungen erlegen. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht endgültig geklärt; Karl Emsbach hatte davon gesprochen, dass Junghans "wahrscheinlich in einer Art Bandenkrieg" umgekommen sei.

Eine Einschätzung, die Helga und Peter Herrmann ebensowenig teilen wie die Schüler der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, die sich mit dem Wirken von Ernst Junghans beschäftigt und die Patenschaft für den Stolperstein übernommen haben – für sie ist Ernst Junghans das erste Opfer des Nazi-Terrors in Dormagen. "Wir kommen auf der Grundlage der Daten und Protokolle zu anderen Schlüssen als Herr Emsbach", sagt Peter Herrmann, der anerkennt, dass sich der Archivar bemüht hat, "mehr Klarheit und Wahrheit" ins Dunkel der Geschichte zu bringen – was nicht gelang. Die Recherchen brachten keine neuen Erkenntnisse.

Grünen-Fraktionschef Ingo Kolmorgen, dessen Fraktion im Kulturausschuss den Antrag auf Verlegung des Stolpersteins gestellt hatte, begrüßt die Entscheidung: "Wir sind sehr glücklich, dass der Stein nun in öffentlichem Grund verlegt wird", erklärt er.

Wann der Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus von Ernst Junghans, heute Westerburgstraße 7, verlegt wird, steht noch nicht fest. "Wir haben Kontakt mit dem Büro von Stolperstein-Initiator Gunter Demnig aufgenommen", ergänzt Kulturbüro-Leiter Olaf Moll.

(NGZ)