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Dormagen: Straberger Pferdeunfall löst Risiko-Debatte aus

Dormagen : Straberger Pferdeunfall löst Risiko-Debatte aus

Nachdem zwei Kutschpferde am Sonntag vor dem Umzug durchgingen, diskutieren Schützen über die Sicherheit ihrer Feste.

Auch einen Tag nach dem Unfall ist Silvia Heiden noch sehr geschockt. Die 22 Jahre alte Gindorferin sagt: "Mit den Kutschfahrten höre ich auf, da habe ich kein Vertrauen mehr zu den Pferden." Als Kutscherin hatte sie am Sonntag mit den Schimmeln Konrad und Babylon die Straberger Schützenkönigin abholen wollen, als Konrad plötzlich losgaloppierte, während Heiden die Scheibe an der rechten Tür herunterklappte. Das Gespann mit den beiden Pferden konnte sie nicht mehr halten, so wurde sie mitgeschleift und an einem parkenden Auto eingeklemmt. Dabei verletzte sie sich so stark, dass sie mit Prellungen an den seitlichen Rippen im Krankenhaus behandelt werden musste, Babylon musste mit mehreren Stichen am Hinterlauf genäht werden, sechs Autos wurden beschädigt. "Mir geht es wieder gut", sagte die 22-Jährige gestern.

Den Zwischenfall kann sich die Kutscherin, die seit zwölf Jahren reitet, nicht erklären. Zuvor hatten erfahrenen Pferde vom Reitstall Flaß in Grevenbroich oft in Schützenumzügen, an St. Martin oder auf Hochzeiten mitgewirkt. Doch nicht nur die Mutter von Niklas (3), Luca-Joel (21 Monate) und Emelie-Sophie (zehn Monate) hatte am Sonntag einen Schreck zu überstehen, auch ihr Vater Andreas Karl kämpfte als Kutscher an der Skihalle Neuss mit durchgehenden Pferden. Dort ging es aber ohne Verletzte ab.

"Es tut uns sehr leid, dass die Kutscherin und das Pferd verletzt wurden", sagt der Straberger Brudermeister Ulrich Baumer: "Wir waren alle geschockt und haben daher auch gebremst weitergefeiert, ohne viel Tam-Tam." Auch heute wird auf die Kutsche verzichtet. Seit Jahren geht die Straberger Regimentsführung sowieso zu Fuß. "Freud und Leid gehören zum Leben dazu, daher muss auch nach dem Unfall ein Weiterfeiern möglich sein", fordert Präses Pater Johannes Kallarackal.

Auch andere Schützen bedauern den Vorfall, auch wenn er nicht so schlimme Folgen hatte wie das durchgehende Pferd des Delrather Oberstadjutanten, das vor neun Jahren beim Schützenfest zwölf Menschen verletzte. Vor zwei Jahren brachen die Pferde der Königskutsche beim Fackelzug in Dormagen aus. "Zum Glück ist da nichts passiert, aber wir diskutieren natürlich den Einsatz von Pferden, auch das Verhalten der Zuschauer", erklärt BSV-Chef Rolf Starke: "Pferden muss man immer Respekt entgegenbringen." Unter normalen Bedingungen sind Pferde und Kutschen beherrschbar, wie Dr. Heiner Sandmann, Tierarzt und Neusser Regimentsoberst, betont: Es sei wichtig, dass Pferde und Reiter oder Kutscher gut ausgebildet seien. Aber: "Es bleibt ein Rest-Risiko – wie auch beim Auto- oder Radfahren."

(NGZ)