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Modell "Verkehrserziehung statt Arbeitsstunden: Stopp dem Fahren im Alkoholrausch

Modell "Verkehrserziehung statt Arbeitsstunden : Stopp dem Fahren im Alkoholrausch

Jugendlicher Leichtsinn, der Bleifuß - und dazu oft noch Alkohol am Steuer. Eine gefährliche Mixtur bei vielen Führerschein-Neulingen. Fast jeder dritte Fahranfänger baut laut Statistik gleich im ersten Jahr einen Unfall, wenn er auf den Straßenverkehr losgelassen wird.

Ein erhebliches Problem für die Sicherheit auf unseren Straßen - durch diese Unerfahrenheit oder den Leichtsinn kann jeder in Mitleidenschaft gezogen werden. Allein 54 Jugendliche wurde im vergangenen Jahr mit frisierten Mofas in Dormagen erwischt, etwa die gleiche Anzahl Ermittlungsverfahren gegen Jugendliche strengte die Staatsanwaltschaft an.

Wer erwischt wurde, kommt bis 20 Jahre in der Regel vor das Jugendgericht, wird zumeist bei diesen Delikten zum Ableisten von Arbeitsstunden verurteilt - und sitzt oftmals wenige Tage später schon wieder am Steuer. Hier will die Stadt Dormagen mit neuen Mitteln gegensteuern. Im Rahmen der Jugendgerichtshilfe wurden erstmals 14 junge Verkehrssünder zu einem Verkehrserziehungskursus verpflichtet.

ei einer Fahrschule absolvierten die Jugendlichen eine fünfstündige Schulung zu den Gefahren des Geschwindigkeitsrausches. "Es war erstaunlich, wie ruhig und konzentriert sie dort mitmachten" berichtet Martin Hüsch-Stelzmann von der Jugendgerichtshilfe in Dormagen über die ersten Erfahrungen. "Dieses Modell ist im Rhein-Kreis-Neuss bisher einmalig", freut sich Klaus Güdelhöfer vom städtischen Kinder- und Jugendbüro.

Fast jeder zweite Führerschein-Neuling ist schon einmal unter Alkohol- oder Drogeneinfluss Auto gefahren. Das belegebn aktuelle Studien. Nahezu jeder fünfte Verletzte oder Getötete im Straßenverkehr gehört zur Altersgruppe der 18- bis 25Jährigen. Innerhalb der Jugendgerichtshilfe versucht die Stadt hier ein stärkeres Bewusstsein für die Risiken und Gefahren des Fahrens im Alkohol-, Drogen oder Temporausch zu wecken.

Eine der Zielgruppen sind bereits 15jährige Mofa-Fahrer, sobald sie im Straßenverkehr auffällig geworden sind. Das Jugendgerichtsgesetz lässt solche Versuche zu: Dort stehen erzieherische Maßnahmen vor der eigentlichen Strafe. Der jetzt veranstaltete Kursus gehört zu diesen Erziehungsmaßregeln, die nach dem Jugendgerichtsgesetz aus Anlass einer Straftat richterlich angeordnet werden können.

"Aus unserer Sicht ist es immer sinnvoller, wenn wir erzieherische Maßnahmen deliktgruppenorientiert anbieten, um dadurch einen direkten Bezug zur Straftat herzustellen", so Hüsch-Stelzmann. "Fehlt ein solches Angebot, bleibt dem Jugendgericht oft nichts anderes übrig, als Arbeitsstunden anzuordnen." Bewährt haben sich die Verkehrserziehungskurse für junge Straftäter beispielsweise in Düsseldorf.

In Dormagen wird das Modell in Kooperation mit der "Fahrschul-Team GmbH" umgesetzt. So schilderte Fahrlehrer Joe Paefgen den Jugendlichen auf drastische Weise, wie sich Alkohol und Drogen auf die Reaktionszeit eines Auto- oder Mofafahrers auswirken. "Viele Kursteilnehmer kamen auch ins Nachdenken, als sie hörten, welche rechtliche Konsequenzen die Manipulation an Fahrzeugen haben kann", berichtet Güdelhöfer.

"Die jungen Leute sind sich meist gar nicht bewusst, dass vielfach auch der Versicherungsschutz erlischt, wenn sie ihren Motorroller frisieren. Die finanziellen und persönlichen Folgen eines Unfalls können verheerend sein." Nach den ersten praktischen Erfahrungen sind sich alle Beteiligten einig, die Schulung im nächsten Jahr zu wiederholen.

Ein weiterer Schwerpunkt werden dann Sofortmaßnahmen am Unfallort sein. Für die Städte und Gemeinden im Rhein-Kreis Neuss besteht die Möglichkeit, auf das Dormagener Angebot zurück zu greifen. Auskunft gibt Martin Hüsch-Stelzmann, Telefon: 02133/ 257-652. Sto

(NGZ)