1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Stolpersteine: Debatte gefragt

Dormagen : Stolpersteine: Debatte gefragt

Die Debatte über Stolpersteine läuft momentan auf Hochtouren. Heinz Pankalla, Vorsitzender des Geschichtsvereins erklärt im Interview, seine Sicht der Dinge.

Herr Pankalla, als Vorsitzender des Geschichtsvereins und Archivar beschäftigen Sie sich schon lange auch mit der jüdischen Geschichte der Stadt Dormagen. Was sagen Sie zur aktuellen Debatte um die Stolpersteine?

Pankalla Auch wenn ich mit Kreisarchivar Karl Emsbach nicht in jedem Punkt übereinstimme: Es ist sein Verdienst, eine längst überfällige Diskussion angestoßen zu haben.

Ist die Öffentlichkeit das richtige Forum für die Diskussion?

Pankalla So werden die Stolpersteine zu echten "Stolpersteinen", mit denen sich Menschen auseinandersetzen. Außerdem ist so allen klar geworden: Wir haben große Informationsdefizite. Wir brauchen dringend eine Debatte unter Fachhistorikern, bevor die Politik Entscheidungen zur Verlegung von Stolpersteinen fällt. Deshalb war es richtig vom Bürgermeister, die Aktion für Ernst Junghans zu stoppen und die weitere Klärung des Geschehens abzuwarten.

Wie sehen Sie die angedachte Stolperstein-Verlegung für Ernst Junghans?

Pankalla Wenn die Stolpersteine Opfern gelten sollen, sind sie in diesem Fall nicht angemessen. Ein Opfer ist für mich nicht, wer im bewaffneten politischen Widerstand aktiv war.

Und bei Familie Katz?

Pankalla Diese Stolpersteine sind richtig und angemessen. Das Pogrom vor dem Haus der Familie war das schlimmste Ereignis dieser Zeit in Dormagen. Familie Katz ist nicht freiwillig gegangen. Letztlich haben die Olympischen Spiele 1936 der Familie das Leben gerettet, denn die Reichsregierung wollte keine weiteren Pogrome vor den Augen internationaler beobachter.

Familie Katz gehört zu den Opfern, auch wenn sie zum Glück überlebte?

Pankalla Wer einem Pogrom ausgesetzt war, seine Heimat unfreiwillig verlassen hat und ins Ausland fliehen musste, um sein Leben zu retten, der bekommt zu Recht einen Stolperstein, der an das Schicksal erinnert.

Heiko Schmitz führte das Gespräch.

(NGZ)