Dormagen: Stolperstein-Stele erinnert an NS-Opfer

Dormagen: Stolperstein-Stele erinnert an NS-Opfer

Gestern Nachmittag wurde die Gedenktafel des Partnerschaftsvereins Dormagen-Kiryat Ono neben dem Historischen Rathaus enthüllt. Auf ihr sind die Standorte aller 39 Dormagener Stolpersteine verzeichnet.

Genau 39 Stolpersteine sind in den vergangenen Jahren im Stadtgebiet verlegt worden, um an Dormagener zu erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Seit gestern zeigt eine Gedenktafel neben dem Historischen Rathaus die genauen Standorte dieser Stolpersteine für alle bekannten Dormagener NS-Opfer, zeigt Namen und Wohnorte an.

"Das Beeindruckendste ist gewesen, dass es gelungen ist, zahlreiche Schulen und darüber hinaus auch weitere Jugendliche in das Erinnern an die NS-Opfer einzubeziehen", sagte Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann gestern bei der Enthüllungsfeier für die von der Zonser Designerin Ricarda Frenzel gestalteten Stele und verwies auf die Stolperstein-Beteiligung der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, der Realschule am Sportpark, des Leibniz-Gymnasiums, der Realschule Hackenbroich, des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden, der Hermann-Gmeiner-Hauptschule und des Raphaleshauses.

Viele Vertreter der Stadtverwaltung, der Politik, des Rhein-Kreises und des Partnerschaftsvereins Dormagen-Kiryat Ono nahmen gestern an der Gedenkfeier teil, unter anderem der stellvertretende Landrat Stephan Ingenhoven, Kreisarchivar Stephen Schröder und die Vize-Bürgermeister Hans Sturm und Erik Lierenfeld. Mit Hilfe des Partnerschaftsvereins waren die Spenden für die Stolperstein-Aktion gesammelt worden, aus deren Restbetrag nun die Stele finanziert wurde.

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Hoffmann erinnerte an den Leitsatz des Stolperstein-Künstlers Günter Demnig: "Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Auch Hanni Paschek-Dahl, deren Vater Jakob Dahl 1941 ins Konzentrationslager nach Riga deportiert wurde, nahm an der Stelen-Enthüllung teil. "Es ist für mich Ehrensache und Selbstverständlichkeit, dass ich mich am Gedenken an NS-Opfer beteilige", sagte die Dormagenerin, deren Familie lange Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Metzgerei an der Kölner Straße betrieb — bis Ende 2011. "Die Stolperstein-Stele ist eine schöne Idee, die ich unterstütze", sagte Hanni Paschek-Dahl.

Auch Uwe Schunder, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Dormagen-Kiryat Ono, war zufrieden: "Die Beteiligung war gut, und alle haben die richtigen Worte gefunden", meinte er. Zuvor hatte der Ehrenvorsitzende des Partnerschaftsvereins, der langjährige Dormagener Pfarrer Heinz Tenhafen, vor der Ratssitzung eine knapp 20-minütige Rede im im Ratssaal gehalten: "Es hat in Dormagen fast 70 Jahre gedauert, bis wir damit beginnen konnten, die Namen der Opfer des Rassenhasses dem Vergessen zu entreißen", wies er darauf hin, dass Johannes Sticker 2004 mit einem Bürgerantrag die Stolperstein-Aktion ins Rollen gebracht hat. Erst die Erfahrung mit neonazistischen Umtrieben in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre habe zu einem Umdenken der Schlusstrich-Mentalität geführt, zu einem Ende der Verdrängung der Geschichte. Neue Formen des Gedenkens sollten die Betroffenheit nur am 9. November ersetzen: "Die Stolpersteine geben den Opfern, die zu bloßen Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurück", sagte Tenhafen. Doch sei der Abschluss dieser Aktion in Dormagen kein Grund zum Zurücklehnen: "Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen", warnte Tenhafen: "Nur die Erinnerung ist es, die uns der Versöhnung näherbringt."

(NGZ)
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