Dormagen: Stille Nacht — very british

Dormagen: Stille Nacht — very british

Knechtsteden "Stille Nacht – Heilige Nacht" wird zu Beginn der Christmette am Heiligen Abend ab 23 Uhr erklingen. In seiner ergreifenden Schlichtheit eines der schönsten Weihnachtslieder. Es wird ein besonderes Hörerlebnis. Erstmals begleitet die neue Orgel die Liturgie, gibt den Gottesdienst-Besuchern in der Klosterbasilika Knechtsteden den Ton vor. Ein besonders interessantes Instrument. "Es klingt very british", sagt einer der es wissen muss: Kantor Bert Schmitz.

Knechtsteden "Stille Nacht — Heilige Nacht" wird zu Beginn der Christmette am Heiligen Abend ab 23 Uhr erklingen. In seiner ergreifenden Schlichtheit eines der schönsten Weihnachtslieder. Es wird ein besonderes Hörerlebnis. Erstmals begleitet die neue Orgel die Liturgie, gibt den Gottesdienst-Besuchern in der Klosterbasilika Knechtsteden den Ton vor. Ein besonders interessantes Instrument. "Es klingt very british", sagt einer der es wissen muss: Kantor Bert Schmitz.

Er war der erste, der die alt-ehrwürdige Orgel spielen durfte. Englisch — das bedeutet unter Orgelexperten ein besonders voller Klang. "Weite Mensuren in englischen Orgeln sorgen für einen fülligen Klang", weiß Bert Schmitz. Seine Charakterisierung: "Der Ton ist kräftig und rund — sehr angenehm." Für Schmitz ein Instrument, das wie geschaffen ist zum Beispiel für die Musik von Felix Mendelsohn-Bartholdy. Schmitz wird am 17\. Januar bei einem Konzertabend mit den weiteren Dormagener Kirchenmusikern Christian Stähr und Horst Herbertz eine Kostprobe bieten.

Hausherr und Rector der Basilika, Pater Hermann-Josef Reetz, ist die Freude über das neue Instrument deutlich anzumerken. Reetz hatte einen Tipp bekommen. "Wir bekamen einen Hinweis auf die Orgel, die auseinander gebaut in der Werkstatt des holländischen Orgelbauers F.R. Feenstra in Grootegard bei Groningen lagert." Reetz bediente sich eines Experten, inspizierte die Orgel. Und erkannte bald, dass er eine Rarität vor sich hatte. Das Instrument hatte der britische Orgelbauer und -spieler William Hold 1849 im englischen Leeds gebaut. Es begleitete lange die Gottesdienste in einer Methodistenkirche. Schließlich landete sie in Grootegard, laut Reetz einer "ausgesprochenen Orgelgegend".

Experten nahmen sich des alten Instruments mit 18 Registern (zum Vergleich: Die Pfarrkirche St. Michael hat über 30 Register) an, restaurierten es. Das ist nicht gerade üppig für die Basilika mit ihrer Länge von 60 Metern und schwieriger Akustik. Bei den Renovierungen wurden auch die Mahagonie-Verzierungen entfernt, so dass das alte englische Grün und typisch englische Altweiß wieder zum Vorschein kam.

"Die reichen Verzierungen passen nicht in unsere Kirche", entschied Reetz. Schließlich wurde das dreieinhalb mal drei Meter große Werk auf Rollen gestellt. "Es war eine unserer Bedingungen, dass wir den Standort des Instruments in der Kirche verändern können", sagt Pater Reetz. Zwei Mann können die Orgel rollen. Bert Schmitz: "Wir haben noch keinen festen Standort für das Instrument. Wir werden es aber bei Konzerten in die Mitte des Alterraumes rollen."

Erstaunlich leicht fielen Reetz und seinen Mitbrüdern die Finanzierung der Orgel. Immerhin kostet das Instrument 118 000 Euro. Das Geheimnis liegt in der Vergangenheit. Jahrzehntelang existierte in Knechtsteden ein Orgelbauverein und sparte für ein neues Instrument. Mit Erfolg. "Das Geld liegt parat", sagt Pater Reetz voller Stolz über den gelungenen Coup.

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Die bisherige Orgel war ein rein elektronisches Instrument, das seit 1994 in der Basilika zu den Gottesdiensten eingesetzt wurde. "15 Jahre ist für eine elektronische Orgel ein gutes Alter", sagt Reetz.

Was mit der alten Orgel geschieht, ist noch unklar: "Sie steht derzeit im Kreuzgang." Das aber ist keine Dauerlösung. Pater Reetz denkt an einen Verkauft, betont aber auch: "Wenn sich das Norbert Gymnasium oder unsere Schule in Broichweiden dafür interessieren würde, würden wir sie denen überlassen."

Heute Abend ab 23 Uhr in der Christmette ist die Knechtstedener Uraufführung der neuen Orgel. Spielen wird sie Rudolf Pentzlin. Auch in den weiteren Gottesdiensten zu Weihnachten wird die Orgel die Liturgie begleiten.

Einen ersten musikalischen Höhepunkt erleben die Orgelfreunde am Neujahrstag. Ab 20 Uhr spielt der Organist Professor Juan Pablo de Haro Sanchez vom Musik-Konservatorium Cuenca/Spanien Werke von Jeremia Clark, Johann Sebastian Bach, Händel, Mozart Tschaikowski und Jenkins.

Am 17\. Januar dann geben die drei Bezirks-Kantoren in Dormagen, Bert Schmitz, Horst Herbertz und Christian Stähr ihr gemeinsames Konzert. Sie spielen Orgelwerke, die in besonderer Weise zur Bauzeit, zur Disposition der Register und zu den Bauprinzipien der neuen Knechtstedener Orgel passen. Der Eintritt zu beiden Konzerten ist übrigens frei.

Im Rahmen der Knechtstedener Bibliotheksabende wird Bert Schmitz am Mittwoch, 30\. Dezember, ab 20 Uhr in der Basilika die Orgel vorstellen und Kostproben ihrer britischen Klangfülle geben.

(RP)
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