Ausstellung eines Steinmetz- und Bildhauermeisters: Steinerne Spuren in der Zeit

Ausstellung eines Steinmetz- und Bildhauermeisters: Steinerne Spuren in der Zeit

Von Carsten Sommerfeld

Von Carsten Sommerfeld

Den kleinen Walfisch hat Gregor Davertzhofen für seinen ersten, damals einjährigen Sohn Henrik gefertigt - ein Geburtstagsgeschenk aus Stein, auf dem der Kleine reiten und sogar schaukeln konnte. Der Wal ist ein verspieltes Werk und eine von Davertzhofens "Spuren in der Zeit". So heißt die Ausstellung des Steinmetz- und Bildhauermeisters, die Vize-Bürgermeister Hans Sturm in der Glas-Galerie der Volkshochschule jetzt eröffnete.

Das Thema Leben und Tod ist im Beruf des Steinmetzen Gregor Davertzhoven allgegenwärtig. Und auch bei den Werken außerhalb seiner Auftragsarbeiten treibt ihn die Frage nach dem Sinn, nach Grundsätzlichem an. "Ich versuche mit meinen Werken Hintergründiges zu erschließen. Welche Spur bleibt in meiner Zeit zurück? Was bleibt, was vergeht?"

Gregor Davertzhofen streicht mit der Hand über die aus einem Sandstein-Bruchstück herausgearbeitete Figur "Verlust" - ein überwiegend aus einem Rücken bestehender Torso. "Was kann ich begreifen, was aber ist nicht mehr da, welcher Schatz ist verborgen?", fragt Davertzhofen. Gleich daneben die Skulptur "Engel" mit großem Flügel. "Von welchen vergangenen Zeiten berichtet der Engel, von welchen künftigen kündet er?

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Der Bildhauer gibt keine Antworten vor, will den Betrachter seine eigenen Fragen stellen und Antworten suchen lassen. "Wir sehen keine schnelle Ausstellung, denn das Formen von Stein braucht Zeit", sagt Heinz Pankalla, Leiter des Fachbereichs Kultur, der die zahlreichen Gäste bei der Eröffnung in das Werk von Davertzhofen einführt. "Von der ersten Idee, etwas zu schaffen, bis zur Vollendung begleitet uns im Alltag vieles, das auf den ersten Blick unwichtig zu sein schein.

Oft jedoch ergibt sich aus vordergründig Unwichtigem eine Spur, die sich zu entdecken lohnt - Spuren in der Zeit." Gerade der Bildhauer treffe beim Formen des Steins Entscheidungen: "Ein abgetragenes Teil ist für immer verloren." Durch Abtragen, Weglassen schafft Davertzhofen Spuren mit immer wieder sinnsuchendem, religiösem Hintergrund, auch wenn er sich nicht immer sogleich erschließt: Etwa bei der weiß-rosa-farbigen, durchscheinenden stelen-förmigen Skulptur "Transparenz" aus portugiesischem Estremoz-Marmor, die auch den Übergang ins Jenseits, in ein Leben nach dem Tod versinnbildlicht.

Und die in Dreier-Gruppen arrangierten Jadeschiefer-Tafeln erinnern Pankalla "an die Gesetztafeln vor, die Moses erhielt". Tatsächlich beinhaltet "Noticia 2" einen biblischen Text aus Epheser 5.16 "Kaufet die Zeit aus! - Nützt die Zeit!". Auch viele andere Seiten von Davertzhofens Schaffen sind in der Galerie zu sehen - Aktzeichnungen, Acryl-Bilder, ein Bild mit einem Apfelmotiv - gemalt mit einem Apfelschnitz.

Eine Spur der Zeit wird den Besuchern der Volkshochschule über das Ausstellungsende am 22. Juni hinaus für ein Jahr erhalten bleiben. Vor dem Haus, in Sichtweite des ebenfalls von der Werkstatt Davertzhofen gestalteten Brunnens, steht die größte Arbeit der Ausstellung. Die Skulptur "Generationen" verkörpert in drei Steinen aus Eifeler Basaltlava die Generationen der Großeltern, Eltern und Kinder.Die Ausstellung "Spuren in der Zeit" ist montags bis freitags zwischen 9.30 und 21.45 Uhr in der Galerie der Volkshochschule an der Langemarkstraße zu sehen.

(NGZ)
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