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Dormagen: Städte sind keine Konkurrenten

Dormagen : Städte sind keine Konkurrenten

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke über Herausforderungen, die das Haushaltssicherungkonzept der Stadt aufbürdet, Entwicklungspotenzial von Gewerbegebieten und den Stellenwert von Logistik-Unternehmen.

Herr Landrat, Dormagen steckt im Haushaltssicherungskonzept. Was muss die Stadt tun, damit Sie als Landrat den Haushalt absegnen?

Petrauschke Zunächst einmal ist Dormagen kein Sorgenkind, weil es in der Haushaltssicherung steckt. Mit den kommunalen Finanzen müssen einfach zu viele Aufgaben erledigt werden, zum Beispiel die Kosten für Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung oder für Unterkünfte für Hartz-IV-Empfänger. Darüber hinaus ist es positiv, dass sich die Stadt Dormagen selbst bereits Gedanken gemacht hat, wie sie aus der schwierigen Lage herauskommt.

Aufgrund des demografischen Wandels will Dormagen etwa Bürger aus anderen Städten gewinnen. Fürchten Sie nicht, dass sich die Städte selbst kannibalisieren?

Petrauschke Dormagen hat zweifelsohne eine gute Ausgangsposition mit seiner Nähe zu den Oberzentren Köln und Düsseldorf. Wir müssen die Region stärken, es spielt keine wesentliche Rolle, ob jemand in Dormagen, Rommerskirchen oder Grevenbroich wohnt, wichtig ist, dass Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Region vorhanden sind. Der Weg, die Gewerbesteuer zu senken, wie es Monheim gemacht hat, um Firmen anzulocken, ist indes falsch — das ist Kannibalismus.

Das sagen Sie als Chef des Kreises ...

Petrauschke Es ist wichtig, dass wir für die Wirtschaft ordentliche Rahmenbedingungen herstellen, um für die Bewohner Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen: Dormagen mit seinem Fokus auf der Chemie, Grevenbroich mit dem Energieschwerpunkt, Neuss mit dem Hafen und der Logistik. Wir brauchen diesen breiten Mix, Konkurrenzdenken bringt uns nicht weiter.

Eine Frage an Hans-Jürgen Petrauschke als Vorsitzenden des Regionalrats. Welche Gewerbegebiete können in Dormagen erschlossen werden?

Petrauschke Auch wenn es nicht einfach wird, steht natürlich das Gewerbegebiet am Silbersee ganz oben auf der Agenda. Das hat Bürgermeister Hoffmann auch zurecht am Beginn seiner Wahlzeit deutlich gemacht. Zusammen mit dem geplanten Autobahnanschluss in Delrath würde es neben der guten Anbindung eine Verkehrsentlastung für die Bürger in Delrath und Nievenheim bringen. Der umstrittene Kohnacker ist zwar nicht ideal, aufgrund seiner Lage etwas außerhalb, aber auch weiterhin ein Thema, solange keine Alternativen sicher sind.

Kritisiert wird oft die Ansiedlung von Logistikunternehmen, die viel Platz verschlängen, aber verhältnismäßig wenig Arbeitsplatze schüfen ...

Petrauschke Uns wäre natürlich auch am liebsten, wenn wir eine Garage irgendwo hinsetzen und daraus dann Google wird. Doch die Logistik ist eine Wachstumsbranche. Die großen Zara-Häfen in den Niederlanden wachsen, und wenn wir keine Möglichkeiten für den Umschlag schaffen, dann werden die Güter zukünftig über die Maas transportiert und nicht mehr über den Rhein. Und wir nehmen nicht an der Wertschöpfung teil, sondern sind Transitland.

Dormagen ist bei der interkommunalen Zusammenarbeit spitze. Gibt es dennoch weitere Kooperationsmöglichkeiten?

Petrauschke Die interkommunale Zusammenarbeit gewinnt noch an Bedeutung. Die Aufgaben, die der öffentliche Dienst bewältigen muss, werden nicht weniger, die Zahl der Beschäftigten leider aber nicht mehr. Ein aktuelles Thema sind etwa die Förderschulen in städtischer Trägerschaft, die der Kreis in geringer Zahl übernehmen könnte. Bei kommunaler Zusammenarbeit muss nicht immer der Kreis mit Städten zusammenarbeiten, das können auch Städte untereinander.

Sind Sie auf der Suche nach einem Standort für die Erweiterung des Archivs schon fündig geworden?

Petrauschke Eine Option ist das Areal in Zons, wo jetzt das alte Feuerwehrgerätehaus und Bürgerhaus stehen.

... das als Bausünde gilt.

Petrauschke Und wohl am besten abgerissen werden sollte.

Heiß diskutiert wird in Dormagen die Bäderlandschaft. Ist es denkbar, dass der Kreis wie bei der Ringerhalle Geld zuschießt, zum Beispiel für den Erhalt der Römertherme?

Petrauschke Das sind ganz andere Voraussetzungen, die Römertherme ist nicht Olympiastützpunkt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass heute im Gegensatz zu früher der Besuch eines Schwimmbades nicht mehr gang und gäbe ist. Die Zahl der Schwimmbäder muss sich indes auch am Schwimmunterricht in den Schulen ausrichten. Viele Jugendliche können heute nicht mehr schwimmen, das ist eine Katastrophe. Wir haben schon vor Jahren vorgeschlagen, kreisweit ein Bäderkonzept zu entwickeln. Das ist nicht gemacht worden. Nun muss jede Stadt für sich die Entscheidung treffen, welches Bad auf Dauer nötig und finanzierbar ist. Wenn man heute nichts tut und alles beim Alten lässt, gehen im Zweifel alle Bäder den Bach runter.

Jens Krüger führte das Gespräch.

(NGZ)