1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Stadträtsel in Dormagen: Wo in Dormagen ein Tefifon zu finden ist

Stadträtsel : Wo in Dormagen ein Tefifon zu finden ist

Vier Stunden Musik mit Willy Millowitsch, Doris Day und Frank Sinatra am Stück hören: Wer das in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik machen wollte, der brauchte ein Tefifon.

Das Abspielgerät mit Schallbändern wurde von dem Deutschen Karl Daniel erfunden, der 1905 in der Eifel geboren wurde und 1977 im Kölner Stadtteil Porz verstarb. Ein Jahr vor seinem Tod erhielt Daniel das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Zuerst wollte er in den 1930er Jahren einen Anrufbeantworter für das Telefon entwickeln, aber die Reichspost machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Anfangssilben Tefi erinnern noch an die Worte Telefon und Film. Das Tefifon spielte Audioaufnahmen mit Hilfe von Bändern ab. Die auf einer Spule aufgewickelten Schallschleifen waren bis zu 100 Meter lang. Die Toninformationen befanden sich in den eingravierten Rillen eines endlosen Kunststoffbandes. Die Signale wurden beim Abspielen von einer Nadel abgetastet. Die Technik wurde erstmalig 1936 auf der Rundfunkausstellung in Berlin präsentiert. Daniel gründete in Porz eine eigene Firma, welche die Abspielapparate herstellte und die Bandkassetten bespielte. Das Tefifon wurde nicht im freien Handel vertrieben, sondern durch lizensierte Geschäfte. Das damalige Alleinstellungsmerkmal war die Banddauer von bis zu vier Stunden, die vor allem für die akustische Aufzeichnung von kompletten Opern und Operetten geeignet war. Die Geräte, die vor dem Zweiten Weltkrieg produziert wurden, hatten sogar eine Abspielzeit von 24 Stunden. Die Qualität der Tefifon-Aufnahmen war besser als Schellackplatten, aber schlechter als Vinylschallplatten. Das Tefifon konnte sich daher nicht durchsetzen und verschwand Mitte der 1960er Jahre vom Markt. Wer in Dormagen einmal ein Tefifon sehen und hören möchte, wird im Radio+Phono-Museum fündig. Das von Helmut Dietsch und Volkmar Hess geleitete Ausstellungshaus beherbergt 1500 historische Geräte und befindet sich an der Bahnhofstraße.