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Dormagen: Stadt will alle Kitas abgeben

Dormagen : Stadt will alle Kitas abgeben

Um im Jugendbereich deutlich einsparen zu können, beabsichtigt die Stadt, alle Kindertagesstätten an Freie Träger abzugeben. Die Kita-Beiträge sollen neu gestaffelt und erhöht werden.

Wie schwierig und verzwickt zurzeit die finanzpolitische Situation der Stadt ist, wurde am Donnerstagabend beim zweiten Bürgerforum der Fraktionen im Haus für Horrem deutlich. Da setzte sich die evangelische Pastorin Daniela Meyer-Claus engagiert für eine Stelle in der Jugendarbeit ihrer Pfarrgemeinde Norf-Nievenheim ein, für die es aus offenbar unglücklichen Umständen zurzeit kein Geld gibt. Kämmerer Kai Uffelmann fiel es im Zusammenspiel mit Jugenddezernent Gerd Trzeszkowski nicht leicht, die Problemlage deutlich zu machen. Denn der fehlende Geldfluss liege weniger am bislang nicht vorliegenden Konzept, sondern an der vorläufigen Haushaltsführung. Heißt: Freiwillige Ausgaben muss sich die Stadt beim Landrat als Aufsichtsbehörde genehmigen lassen. Und von dort gibt es zurzeit keine Zustimmung.

Beim Bürgerforum zum Themenbereich Jugend, das vom Grünen Ingo Kolmorgen moderiert wurde, war das Unverständnis unter den rund 40 Besuchern deutlich zu spüren. Vor allem wenn es darum geht, die ohnehin begrenzten Mittel weiter zu kürzen und wenn somit Angebote der Freien Träger in Gefahr geraten. Dennoch gab es gegen die Einschätzung von Kolmorgen bei der Versammlung wenig einzuwenden: "Die Sparvorschläge treffen uns auf einem recht hohen Niveau." Soll heißen: Dormagen ist in vielen Bereichen (Kita, Betreuung, Jugendangebote) im Vergleich zu anderen Kommunen recht gut aufgestellt. Kürzungen von zehn bis 20 Prozent dürften demnach nicht an die Substanz gehen, sondern verkraftbar sein.

Uffelmann nannte eine ganze Reihe von Sparvorschlägen der Verwaltung, die allesamt nach dem Bürgerforum von der Politik noch diskutiert und planmäßig erst im Dezember im Rat verabschiedet werden. Bei den Erzieherischen Hilfen wird ein Sparpotenzial von 500 000 Euro über zehn Jahre gesehen. Dort fließen bislang jährlich 5,7 Millionen Euro hinein. Im Bereich der Tagesbetreuung für Kinder will die Stadt ihre Kitas an Freie Träger abgeben und so ab 2024 jährlich 180 000 Euro sparen. Die Kita-Beiträge sollen steigen und neu gestaffelt werden und so ab 2014 jährlich 225 000 Euro mehr bringen. Diskutiert wurde der Plan der Verwaltung, in der Jugendhilfe drei Stellen zu streichen und somit 28 000 Euro zu sparen. Teilnehmer äußerten die Befürchtung, dass dadurch wichtige Angebote wegfielen, "und die Probleme werden ja auch nicht geringer". Allerdings, das betonte Uffelmann, sinkt die Zahl der bis 18-Jährigen von heute 6800 um zweitausend Kinder bis zum Jahr 2025. Rechnung: Wenn weniger Kinder da sind, wird weniger Personal benötigt.

(NGZ/ac)