Dormagen: Stadt wächst gegen den Trend

Dormagen : Stadt wächst gegen den Trend

Die Bezirksregierung hat für den Großraum Düsseldorf eine Bevölkerungsprognose erstellt. Entgegen der demografischen Entwicklung wird Dormagen wachsen – so stark wie keine Kommune im Rhein-Kreis.

Die Bezirksregierung hat für den Großraum Düsseldorf eine Bevölkerungsprognose erstellt. Entgegen der demografischen Entwicklung wird Dormagen wachsen — so stark wie keine Kommune im Rhein-Kreis.

Die Statistik- und Wirtschaftsexperten in der Bezirksregierung in Düsseldorf haben offenbar eine hohe Meinung von Dormagen. Nicht anders ist es zu erklären, dass sie der Stadt zutrauen, angesichts eines breiten Bevölkerungsrückgangs quer durchs Land die Zahl ihrer Einwohner nicht nur stabil zu halten, sondern steigern zu können.

Damit steht die Prognose auf dem ersten Blick im Gegensatz zu den Berechnungen im Neuen Rathaus am Paul-Wierich-Platz. Die sagen nämlich einen deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahl voraus. Differenz beider Prognosen: über 8000 Einwohner.

Woher kommt dieser Unterschied? Kerstin Belitz, städtische Demografie-Beauftragte, erklärt das so: "Für eine Bevölkerungsprognose sind Geburten, Sterbefälle und Wanderungen die wichtigsten Kennziffern." Weil Geburt und Tod die stabilsten Parameter sind hat die Stadt ihre Prognose nur darauf hin abgestellt.

Ergebnis: Die Bevölkerung wird von knapp 63 000 Einwohner (Stand 31. Dezember 2011) bis 2025 auf unter 60 000 Menschen sinken. Anders das Herangehen der Rechenexperten in Düsseldorf: Sie berücksichtigen auch die Wanderungsbewegungen, also wie viele Menschen nach Dormagen ziehen oder die Stadt verlassen. Daraus ergibt sich — so lange ist der Betrachtungshorizont — bis 2030 eine Bevölkerungszahl von über 64 000 Einwohnern; aus Rathaussicht von unter 56 000.

"Letztlich freut uns die Einschätzung aus Düsseldorf", sagt Kerstin Belitz. Denn in die Prognose fließen dort vor allem auch die Wirtschaftskraft der Region und die Erwerbstätigkeit ein. Unter dem Strich soll Dormagen demnach bis zum Jahr 2030 um 2,8 Prozent wachsen — als einzige Stadt im Rhein-Kreis Neuss in dieser Größenordnung. "Wir haben gute Chancen, die wir nutzen müssen", sagt Belitz.

Also den "Überschwappeffekt" von den florierenden Großstädten Düsseldorf und Köln nutzen. Mehr Neubürger, mehr Einpendler bedeutet dies. Auch: Mehr Gewerbeansiedlungen, die wiederum weitere Arbeitsplätze bringen und neue Wohnungen nötig machen. So fordert CDU-Parteichef André Heryschek kräftig: "Mehr Mut zur Zukunft." Er empfiehlt dem Rathaus, die Prognosezahlen anzupassen. "Wir brauchen in Dormagen eine Kultur der Einladung und des Willkommens für die zuziehenden jungen Berufstätigen und Familien."

Die Stellungnahme Heryscheks bekommt angesicht von Haushaltssicherungskonzept und Sparpaket eine brisante Note. Sein Kollege Peter Gottwald sagt: "Wo immer möglich muss eine städtische Infrastruktur für Kinder und Jugendliche in den dörflichen Stadtteilen gewährleistet bleiben. Eine Herausforderung."

(NGZ/rl)
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