Dormagen: Stadt verzichtet auf Gift-Dünger

Dormagen: Stadt verzichtet auf Gift-Dünger

Nach dem Hundesterben in Rheinfeld forderten die Anwohner bei einer Infoveranstaltung der Stadt Konsequenzen. Eine erste Reaktion: Das Düngemittel, das den Tod der Tiere verursacht haben soll, wird nicht mehr eingesetzt.

Wut, Trauer, Enttäuschung und eine Menge Unverständnis. So lässt sich wohl am besten zusammenfassen, was in den Betroffenen vorgeht, deren Hunde vor rund drei Wochen in Rheinfeld Düngemittel gefressen haben. Neun Hunde sind danach erkrankt, zwei verendet. Und was für die Besitzer von vornherein klar war, bestätigte nun auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV): Das verwendete Düngemittel war mit Rizin, einem natürlichen aber hochgiftigen Protein, belastet. Das Analyse-Ergebnis nahm die Stadt jetzt zum Anlass, eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema anzubieten.

Und obwohl das Obduktionsergebnis von einem der getöteten Hunde noch nicht vorliegt – damit also nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden könnte, dass der Hund an den Folgen einer Rizin-Vergiftung starb – war die Veranstaltung stark durch Emotionen geprägt. Gerade die Besitzer der erkrankten und toten Hunde zeigten wenig Verständnis dafür, warum mit Rizinusschrot ausgerechnet ein Düngemittel verwendet wurde, vor dem wegen des giftigen Rizins gewarnt wird.

"Sie verlangen von uns, unserer Sorgfaltspflicht nachzukommen und auf unsere Hunde und Kinder aufzupassen. Aber was ist mit der Sorgfaltspflicht der Stadt?", fragte Martina Klötter, deren Hund sechs Tage lang in einer Tierklinik behandelt wurde. Ihr entgegnete der für Sicherheit und Ordnung zuständige Erste Beigeordnete Ulrich Cyprian: "Im Internet steht viel. Dinge, die richtig sind und Dinge, die falsch sind. Wir verlassen uns lieber auf zuverlässige Informationen. Und im EG-Sicherheitsblatt zum Rizinusschrot steht, dass das Mittel ungefährlich ist." Diese Aussage konnte auch Dr. Babette Winter vom LANUV bestätigen. "Rizinusschrot ist ein zugelassener Dünger, der weltweit eingesetzt wird. Er gilt, wenn er richtig verarbeitet ist, als ungefährlich."

Die Anwohner monierten außerdem die Informationskette der Stadt. So seien zwischen dem ersten erkrankten Hund und dem Aufhängen von Flatterband und Informationszetteln vier Tage vergangen.

Dazu Gottfried Koch, Leiter der Technischen Betriebe: "Der Mitarbeiter, dem der kranke Hund am Dienstag gemeldet wurde, hat sich umgehend mit der Firma in Verbindung gesetzt, die daraufhin den Dünger eingearbeitet hat. Am Mittwoch ging es dem Hund wieder besser, so dass er nicht die Veranlassung sah, weitere Schritte zu unternehmen." Laut Koch soll Rizinusschrot nicht mehr zum Einsatz kommen – genauso wie übrigens auch die beteiligte Firma.

(NGZ)