Dormagen: Stadt plant höhere Acker-Pacht

Dormagen : Stadt plant höhere Acker-Pacht

Die Stadt diskutiert, die Pachten für landwirtschaftlich genutzte Flächen zu erhöhen. Argumentiert wird mit zuletzt höheren Erträgen der Bauern. Die wiederum klagen: Der Profit werde von steigenden Nebenkosten aufgefressen.

Der Feind des Ackerbauern sind die Betreiber von Biogasanlagen. "Die sind wie die Raupe Nimmersatt, können hohe Pachten zahlen, weil sie mehr verdienen —dass die Böden danach ausgenudelt sind, darüber spricht keiner", ärgert sich der Nievenheimer Landwirt Heinz Müller (Name von der Redaktion geändert). Er selbst könnte bald von einer steigenden Pacht betroffen sein.

Günstiger als Vergleichsstädte

Der Hauptausschuss hat jetzt über eine Anhebung diskutiert. Im Beschlussvorschlag hieß es: "Für diese (landwirtschaftlich genutzte) Flächen wird für das Pachtjahr 2012/2013 (November 2012 bis Oktober 2013) eine Pacht in Höhe von 250 Euro pro Hektar/Jahr festgelegt. Die Pacht wird in den nachfolgenden Pachtjahren jährlich um 25 Euro pro Hektar erhöht." Damit unterschreite die Stadt sogar noch die Pachten von Vergleichskommunen wie Grevenbroich und Kaarst.

Dietrich Krueger, Fraktionschef der Bürger für Dormagen (BfD), jedenfalls ist der Meinung: "Es ist ja nicht Sinn der Sache, unsere Bauern zu subventionieren." Viele Landwirte hätten dank des Biosprit-Booms teilweise zwei Drittel mehr eingenommen. Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann erklärte, den Vorschlag prüfen zu wollen. Das Thema wurde in die nächste Ratssitzung verschoben.

Laut Wirtschaftsförderin Gabriele Böse verpachtet die Stadt etwa 100 Hektar Fläche an 30 Landwirte. "Daraus erzielen wir Einnahmen von 24 500 Euro pro Jahr."

Den Gohrer Landwirt Willi Feiser, der selbst keine städtischen Flächen gepachtet hat, ärgert die Diskussion: "Wir verdienen mehr, wir müssen aber auch mehr zahlen." Die Düngerpreise seien zuletzt um 30 Prozent gestiegen, hinzu kommen Nebenkosten und Dieselpreise. "In dem Zusammenhang sind die Getreidepreise mehr als berechtigt", findet Feiser.

Das meint auch der Nievenheimer Bauer Heinz Müller. Ein Schlepper verbrauche pro Stunde 30 Liter Diesel. Er merkt zudem an, dass die Stadt zumeist Kleinstflächen verpachtet, die ohnehin nur der angrenzende Landwirt nutzen könne. "Für größere Flächen wären wir auch bereit, einen Euro mehr zu zahlen." Einen weiteren Kritikpunkt hat Ortslandwirt Johannes Meller: "Soweit ich weiß, verpachtet die Stadt ihre Flächen immer nur jährlich."

Die Möglichkeiten für die Landwirte seien so aber begrenzt. Spielraum für höhere Pachten sehe er so nicht. Wirtschaftsförderin Gabriele Böse: "Ich kann das verstehen aus Sicht der Landwirte, doch die jährliche Verpachtung schafft Flexibilität, wenn Ausgleichsmaßnahmen benötigt werden." Heinz Müller ist sich bewusst: "Das ist ein heikles Thema."

(NGZ/rl)
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