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Dormagen: Stadt hofft auf Autobahnanschluss Delrath

Dormagen : Stadt hofft auf Autobahnanschluss Delrath

Dormagen, Neuss und der Rhein-Kreis Neuss glauben, dass die dringend nötige Autobahnzufahrt kommen kann. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bittet Regierungspräsidentin Anne Lütkes um eine Abwägungsentscheidung.

Ist es wichtiger, im Großraum Delrath für eine umfassende Verkehrsentlastung zu sorgen? Oder wiegt die Gefahr, die möglicherweise vom mit Spezialgasen arbeitenden Unternehmen Gerling, Holz & Co (GHC) ausgehen könnte, schwerer? Um diese Grundsatzfrage geht es in der Diskussion um den Bau der Autobahnanschlussstelle Delrath. Die Lösung liegt jetzt bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hat in einer umfassenden Stellungnahme Regierungspräsidentin Anne Lütkes gebeten, im Rahmen eines Abwägungsprozesses eine Entscheidung zu treffen.

Der Optimismus, der noch vor Jahren mit Blick auf eine neue Autobahnzufahrt herrschte, erlebte "durch die Feststellung eines Gaselagers an der vorgesehenen Trasse eine Vollbremsung", sagte Petrauschke im Interview auf dem blauen NGZ-Sofa. "Wir müssen jetzt alle Verantwortlichen und Beteiligten von der Notwendigkeit dieses Anschlusses überzeugen." Ein alternativer Standort ist weder in Richtung Norden noch Süden möglich.

Die Ausgangslage ist ausgesprochen schwierig: In einem Gutachten hat der TÜV im März festgestellt, dass die Abstände für sogenannte Störfallbetriebe bis zu 800 Meter betragen. Demgegenüber ist die geplante Autobahnanschlussstelle nur etwa hundert bis 200 Meter vor der Firma GHC, um die es geht, entfernt. Technische Lösungen wie Einhausungen, Wasserschleier oder Ähnliches, scheiden laut Gutachten aus. Die entscheidende Passage in dem TÜV-Gutachten macht jedoch Hoffnung: "Der TÜV sagt damit nicht, dass nicht gebaut werden kann. Mangels praktikabler und verhältnismäßiger technischer und/oder organisatorischer Maßnahmen zur Konfliktlösung kann deshalb einzig auf die Möglichkeit der rechtlichen Abwägung im Rahmen des weiteren Verfahrens verweisen werden."

Genau darauf setzt Landrat Petrauschke, der in seinem Schreiben an die Regierungspräsidentin die verkehrlichen Argumente für den Bau der Autobahnzufahrt Delrath darlegt. Das nördliche Stadtgebiet von Dormagen und der Neusser Süden mit dem großen Wohngebiet Allerheiligen benötigen eine dringende Verkehrsentlastung. "Zur Entspannung der heutigen Situation fehlt ein leistungsfähiger Verknüpfungspunkt." Vor allem fehlt für den Gewerbeverkehr aus Delrath/St. Peter und aus dem Neusser Süden ein "direkter Anschluss an das vorhandene Autobahnnetz". Der Landrat beschreibt die schwierige heutige Situation, die viele Auto- und Lkw-Fahrer tagtäglich erleben, um die Anschlussstellen der A 57 in Norf und Dormagen oder die der A 46 in Uedesheim zu erreichen. Die Belastbarkeit des Straßennetzes stößt auch durch den Ausbau des Chemparks an seine Grenzen. Durch die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes am Silbersee wird ein direkter Anschluss an die A 57 "unerlässlich", so der Landrat. "Ohne eine solche Zufahrt wird die Entwicklung der Fläche scheitern und die zukünftige Gewerbeentwicklung in Dormagen gefährdet."

Die Bezirksregierung soll im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens eine Abwägung vornehmen. Die könnte, so Petrauschke, bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Ein Baubeginn wäre dann noch nicht in Sicht, weil die Experten mit der ein oder anderen Klage rechnen.

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(NGZ/ac)