1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Stadt gewinnt mehr Strom aus Solaranlagen

Dormagen : Stadt gewinnt mehr Strom aus Solaranlagen

Zwar werden weniger Photovoltaik-Anlagen installiert, doch die Leistung nimmt zu. Experten meinen: Die Sonnenenergie lohnt noch.

Eine Autofahrt vom Dormagener Rathaus am Paul-Wierich-Platz nach Doha dauert laut Google Maps 64 Stunden. In der 5997 Kilometer entfernten Hauptstadt Katars wird derzeit über das Weltklima diskutiert. Doch welche Auswirkungen haben die Gespräche? Und wie viel Energiewende wird hierzulande lokal eigentlich schon umgesetzt?

Nicht erst seit die Strompreise drastisch steigen, ist Solarenergie auch in Dormagen und anderen Städten ein großes Thema. Geht es nach einer Initiative der Deutschen Umwelthilfe (DUH), sollen künftig 25 Prozent des Strombedarfs auf den Dächern der Städte produziert werden. Spitzenreiter und Solarstromexporteur ist laut DUH die Gemeinde Loiching in Niederbayern mit einer sagenhaften Quote von 107,5 Prozent.

Soweit ist Dormagen noch nicht. Der Photovoltaik-Anteil lag 2011 bei "nur" 2,2 Prozent. Fast fünf Millionen Kilowattstunden wurden durch Photovoltaik hergestellt; verbraucht wurden im Stadtgebiet im gleichen Jahr gut 222 Millionen Kilowattstunden. Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge steigt indes die Gesamtleistung der Anlagen in Dormagen. Wurden 2010 98 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1570 Kilowatt-Peak installiert, brachten es die 60 neuen Anlagen in diesem Jahr (bis Oktober) auf 3038 Kilowattpeak. "2012 ist ein gutes Jahr für die Photovoltaik in Dormagen gewesen", so Marco Mersmann, Klimaschutzmanager der Stadt. Er arbeitet derzeit an einem Solarkataster, das mit Drittmitteln finanziert werden soll. Die Eignung von Dachflächen im Stadtgebiet für die Solarenergie soll darin abgebildet werden. Ziel ist es, das Projekt im ersten Quartal 2013 auf die Bahn zu bringen. "Die Photovoltaik ist in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert worden", sagt Mersmann. Die Einspeisevergütung sei in den letzten Jahren von 50 auf 17 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Dafür sind die Kosten drastisch gesunken.

Michael Wißdorf betreibt das Unternehmen HTP Haustechnik. 6000 Euro für eine kleine Anlage auf einem Einfamilienhaus müssen Interessenten schon einkalkulieren, sagt er. Nach oben hin gibt es preislich keine Grenze. Wißdorf: "Die teuerste Anlage, die wir je gebaut haben, hat 80 000 Euro gekostet." Übrigens: Nicht wenn im Sommer, wenn die Sonne vom Himmel knallt, ist der Stromertrag am größten, sondern wenn es knackig kalt ist. "Dann", sagt Michael Wißdorf, "ist der Widerstand am geringsten."

Landwirt Theo Spix, der zwei 30-Kilowatt-Anlagen an der Salvatorstraße und am Kohnacker betreibt, meint: "Es lohnt sich sehr." Peter Herzogenrath, der ein Solar-Unternehmen in Delhoven betreibt, will in den Jubel nicht einstimmen. Seine Firma baut hauptsächlich Anlagen mit einer Leistung von weniger als zehn Kilowattstunden. "Größere Anlagen", sagt er, "rechnen sich nicht mehr."

(NGZ)