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Dormagen: Stadt der Bürgerinitiativen

Dormagen : Stadt der Bürgerinitiativen

Mit neun Initiativen und Interessengemeinschaften weist Dormagen eine so hohe Zahl wie kaum eine andere Stadt in dieser Größenordnung auf. Die Themenpalette ist breit, der Organisationsgrad durchweg gut.

Einen Titel hat Dormagen sicher: den der Chemiestadt. Einen weiteren dürften ihr andere Gemeinden nur schwer streitig machen können: die Stadt mit den meisten Bürgerinitiativen (BI) und Interessengemeinschaften (IG). Neun sind es (mindestens), die in diesem und in den beiden zurückliegenden Jahren für eine Sache streiten. Die Themenpalette reicht vom Gaspreis über Verkehrslärm bis hin zur Bäderschließung. Sind diese Initiativen ein Offenbarungseid für die Lokalpolitiker, denen es nicht gelingt, die Interessen der Bürger vor Ort adäquat zu vertreten?

Die Initiative "City-Smaragd" demonstriert gegen den Bau eines Seniorenzentrums. Foto: Archiv

Das sieht Dr. Dietrich Krüger von der Fraktion Bürger für Dormagen so: "Die Bürger nehmen zunehmend das Heft in die Hand. Ich finde es gut, dass sie sich wehren und mehr in Entscheidungen eingebunden werden wollen." Das Engagement von tausenden Bürgern beim Bahnprojekt "Stuttgart 21" habe, darin sind sich Krüger und der SPD-Fraktionschef Bernhard Schmitt einig, viele Bürger ermutigt, für ihre Interessen einzutreten, "weil sie gesehen haben, dass man Erfolg haben kann", so Schmitt. "Bürgerinitiativen sind eine Bereicherung von Politik."

Die Initiative "Straßen der Vernunft" überreicht Unterschriften an Bürgermeister Hoffmann. Foto: Archiv

Krüger bezeichnet die Bürgerinitiative "Lebenswertes Delrath" als die "Mutter aller Bürgerinitiativen in Dormagen. Dort schicken wir Bürger hin, weil die Initiative um Peter Jacobs sehr gut organisiert ist". Die Delrather melden sich zu Wort, egal, ob es um Gewerbeansiedlung am Kohnacker, um den Autobahnanschluss oder um ein neues Wohngebiet in ihrem Ort geht. Schmitt sieht die Notwendigkeit, sich mit den Anliegen von Initiativen auseinanderzusetzen und übt auch Selbstkritik: "Offenbar fühlen sich diese Bürger nicht von den Parteien angenommen."

In der Regel setzen sich diese Interessengemeinschaften für oder gegen Veränderungen vor Ort ein. Initiativen mit einem gesamtstädtischen Thema sind eher selten. CDU-Fraktionschef Wiljo Wimmer findet Bürgerinitiativen "grundsätzlich gut. Aber sie sind unterschiedlich. Einige sind parteiengesteuert. Dort werden unter dem Deckmantel einer BI parteipolitische Interessen verfolgt". Andere bringen ihre "originären Anliegen in die Diskussion", so Wimmer. "Letztlich entbindet den Rat nichts von seiner Gesamtverantwortung."

Bürgermeister-Stellvertreter Kai Uffelmann sieht in der Zahl von Bürgerinitiativen "keine Messgröße für gute Verwaltungs- und Politikarbeit". Er beurteilt das Engagement der Bürger positiv, sieht es als "Resultat eines bunten, meinungsfreudigen Rates", dessen Streitkultur auf die Bürger überspringt.

(NGZ)