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Dormagen: Stadt blitzt heimlich

Dormagen : Stadt blitzt heimlich

Mit zwei mobilen Radarwagen macht die Stadt Jagd auf Temposünder. Im vergangenen Jahr wurden 13 800 Raser erwischt. Einnahme: 240 000 Euro. Anders als die Polizei kündigt die Stadtverwaltung die Kontrollen vorher nicht an.

Wer im Stadtgebiet zu schnell fährt, hat gute Chancen in eine Radarfalle zu tappen. Die beiden Messfahrzeuge der Stadt sind nach Auskunft des Ordnungsamtes täglich von 5.30 bis 21.30 Uhr im Einsatz. Bei Bedarf, sagt Fachbereichsleiter Holger Burdag, werden die Fahrzeuge auch noch später am Abend oder sogar nachts an sogenannten Unfallhäufungsstellen geparkt. Diese werden der Verwaltung von der Polizei gemeldet.

 Achtung, Kontrolle: Einer von zwei städtischen Radarwagen, ein grüner Skoda Roomster, steht am Straßenrand. Der rote Blitz löst aus.
Achtung, Kontrolle: Einer von zwei städtischen Radarwagen, ein grüner Skoda Roomster, steht am Straßenrand. Der rote Blitz löst aus. Foto: Hans Jazyk

"Wir haben nur eine eingeschränkte Befugnis", erläutert Burdag. Demnach dürfen die städtischen Radarwagen, ein blauer Opel Astra Kombi und ein grüner Skoda Roomster, nur an Unfallschwerpunkten und im Umfeld "schützenswerter Einrichtungen" wie unter anderem Kindertagesstätten, Schulen und Seniorenheimen stehen. Die Polizei darf hingegen jederzeit und überall die Geschwindigkeit kontrollieren und Verkehrsteilnehmer auch anhalten.

Im vergangenen Jahr wurden bei Messungen der Stadt rund 13 800 Temposünder überführt; bis April 2012 waren es bereits 5500. Für Knöllchen kassierte das Ordnungsamt 2011 rund 240 000 Euro, von Januar bis Mitte Juni des laufenden Jahres etwa 130 000 Euro. Die beiden Radarwagen sind mit spezieller Technik ausgestattet, können seit Umrüstung vor einigen Jahren auch digitale Aufnahmen machen. Festinstallierte Anlagen gibt es im Stadtgebiet nicht. Ziel der Verkehrsüberwachung sei die Erhöhung der Verkehrssicherheit, teilt das Ordnungsamt auf Anfrage der NGZ mit. Dieses Ziel sei mit mobiler Überwachung effektiver zu erreichen. So sei es möglich, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.

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Eher unflexibel ist die Verwaltung bei der Veröffentlichung der Kontrollen. Von der Ankündigung der Aktionen, etwa über die Presse, hält das Ordnungsamt wenig. "Ich glaube nicht, dass sich jemand Zeit und Ort der Einsätze merkt", sagt Burdag. Wer wissen will, wann und wo die Messfahrzeuge stehen, könne sich jederzeit an die Verwaltung wenden. Burdag: "Wir machen kein Geheimnis daraus." Er befürchtet, auf bestimmte Standorte "festgenagelt" werden zu können.

Dass es anders geht, zeigt die Stadt Grevenbroich. Radarkontrollen werden über die Presse veröffentlicht. "Wir gehen da mit Transparenz dran", sagt Stadtsprecher Andreas Sterken. Auch die Polizei im Rhein-Kreis Neuss hat "nichts zu verbergen", so Sprecher Hans-Willi Arnold. Aufgrund der gestiegenen Anzahl von Verkehrsunfällen mit Toten und Schwerverletzten seien die Kontrollen in den vergangenen Monaten gravierend verstärkt worden. Arnold betont: "Wir wollen die Geschwindigkeit senken, nicht mehr Knöllchen schreiben."

(NGZ)