Dormagen: Sportförderung braucht Ziele

Dormagen : Sportförderung braucht Ziele

Reichlich Sportprominenz mit DOSB-Generalsekretär Michael Vesper an der Spitze kam gestern auf Einladung der Sportstiftung NRW zum "Forum Sportkarriere" nach Knechtsteden.

Es wird viel darüber gesprochen in diesen Tagen, ob Dormagen nach Insolvenz und Abstieg des DHC Rheinland noch eine "Sportstadt" sei. Gestern traf dieses Prädikat einhundert Prozent zu, denn was sich zum "6. Forum Sportkarriere" auf Einladung der Sportstiftung NRW in der Aula des Norbert-Gymnasiums versammelt hatte, war Sportprominenz pur.

Angefangen bei Michael Vesper, dem Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), über Heiner Brand, den ehemaligen Bundestrainer und jetzigen Manager des Deutschen Handball-Bundes (DHB), bis zu den Doppel-Olympiasiegerinnen Ulrike Nasse-Meyfarth und Heide Ecker-Rosendahl — es war ein bisschen wie beim Ball des Sports.

Und wie beim Ball des Sports wurden auch beim "6. Forum Sportkarriere" die Probleme, die Sport und Sportlern auf den Nägeln brennen, weitgehend ausgeblendet. Es wurde viel gedankt, der Bayer AG für die "tolle Sportförderung", dem Landessportbund (LSB), dass er sich inzwischen auch den Belangen des Leistungssports zugewandt hat, und der Sportstiftung als Gastgeber sowieso.

Den kritischen Hebel setzten nur Jürgen Steinmetz und Christof Niessen an. Der Allgemeine Vertreter des Landrats ermahnte, dass Konzepte wie das eines NRW-Leistungssportzentrums "messbare Ziele" brauchen.

Im Rhein-Kreis, als erster als solches Zentrum anerkannt, seien das die duale Karriere ("wie viele Arbeitsplätze für Sportler können wir schaffen?"), die Akquise von "zusätzlichen Sponsormitteln für den Sport" und die "weitere Strukturförderung", sprich: "Können wir weitere Bundes- und Landesleistungsstützpunkte errichten?" Dass das nicht ohne Geld geht, daraus machte LSB-Chef Niessen kein Hehl. Seines Erachtens wird die flächendeckende Förderung aller 35 olympischen Sportarten in NRW nach den Spielen von London auslaufen: "Dafür brauchen wir zehn Millionen Euro, wir haben aber nur vier für den Leistungssport und drei für die Trainerförderung."

Dass das zusammen nur wenig mehr ist als das (von der Bayer AG gezahlte) Jahresgehalt eines Michael Ballack, so etwas wurde nicht thematisiert gestern Nachmittag. Es hätte nur die Harmonie gestört. Lieber richtete Moderator (und Ex-Olympiaschwimmer) Christian Keller an Henning Lambertz, Ex-Trainer von Thomas Rupprath und designierter Bundestrainer des Deutschen Schwimmverbandes, die Frage: "Erklär uns doch mal, wieso Du so erfolgreich bist."

Die Besetzung versprach Erstklassiges gestern Nachmittag. Der Inszenierung hätte wenigstens ein Gegenredner gut getan. So gab es unterm Strich wenig Neues — und schon gar keine Denkanstöße. Aber die gibt es beim "Ball des Sports" auch nicht.

(NGZ/rl)
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