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Dormagen: Sport fördert Integration

Dormagen : Sport fördert Integration

Für den Fußballverein "Türkische Jugend" aus Hackenbroich steht die Integration in Dormagen an erster Stelle, noch vor den sportlichen Aktivitäten. Kindern und Jugendlichen verschiedener Nationen zu helfen, ist das erklärte Ziel.

In der Vereinsbeschreibung steht's deutlich: "Wir wollen dazu beitragen, das Zusammenleben und die Integration aller Nationalitäten zumindest in Dormagen zu fördern". Und dass es sich dabei nicht nur um ein Lippenbekenntnis handelt, davon zeugt die tägliche Arbeit des Vereins "Türkische Jugend". Einer, dem das Thema "Integration" besonders wichtig ist, ist Gürkan Bora, Vorstandsmitglied, Trainer und Koordinator der Mädchenmannschaften.

"14 Nationen kicken bei uns, und das mit und ohne Kopftuch", sagt der 43-Jährige kurz und knapp. Angefangen hat die TJ Dormagen 1989 mit einer Jungenmannschaft, in der nur Türken spielten. Erst 2003 kamen die ersten Mädchen dazu, mit denen die Jungen aber nicht gemeinsam hinter dem Ball herlaufen wollten. "Wir haben den Mädchen vorgeschlagen, weitere fürs Fußballspielen zu begeistern", berichtet Bora. Zum ersten Trainingstermin kamen 21, so dass gleich drei Mannschaften gebildet werden konnten. Ein halbes Jahr später waren es bereits 40, alle im Alter von 11 bis 17 Jahren. Heute spielen bei der TJ 80 Mädchen und Frauen in sechs Mannschaften. Daneben gibt es drei Herren-/Jungenmannschaften. "Die Mädchen, die bei uns trainieren, kommen nicht nur aus verschiedenen Ländern, sie kommen auch aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten", erklärt Bora. Und so war es dem Verein von Anfang an ein Anliegen, dass sich die Spielerinnen auch nach dem Training treffen, etwas gemeinsam unternehmen und sich umeinander kümmern. "Das fing mit Bowling spielen oder mal ins Kino gehen an", erzählt Bora. Längst hat sich daraus ein komplexes Netzwerk entwickelt: Wer Schwierigkeiten in der Schule hat, für den wird Nachhilfe aus den eigenen Reihen organisiert – kostenlos. Ein Fonds, in den der Vorstand pro Monat 25 Euro steckt, nutzt denen, die sich Ausstattung wie Schuhe, Sporttaschen, Trainingsanzüge nicht leisten können. Die Gegenleistung: regelmäßig am Training teilnehmen. "Bei finanziellen Engpässen finden wir immer eine Lösung", erklärt der Trainer. So auch, wenn die U17-Mannschaft im April für zehn Tage nach Istanbul fliegt – auch, um dort Fußball zu spielen. 300 Euro kostet die Reise.

"Das Engagement der TJ ist beispielhaft", sagt der Vorsitzende des Dormagener Integrationsrates, Mehmet Güneysu. Dem kann Dezernent Gerd Trzeszkowski nur zustimmen: "Die TJ lebt Integration real." "Von den ungefähr 50 Sportvereinen im Stadtgebiet, die Mitglied im Stadtsportverband sind, hat die TJ eindeutig Vorbildcharakter", sagt Detlef Zenk, Vorsitzender des Sportausschusses.

(NGZ)