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Dormagen: Spenden als Geschäftsmodell

Dormagen : Spenden als Geschäftsmodell

Angesichts leerer Kassen der Städte und Gemeinden wächst die Bedeutung von Sponsoren, Spendern und Förderern für Veranstalter und Vereine. Wir zeigen, wer sich vor Ort engagiert. Folge 1: die Geldinstitute.

Als Freitagmittag Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann und Hermann Max, künstlerischer Leiter des Festivals Alte Musik Knechtsteden, das diesjährige Programm präsentierten, wurden sie eingerahmt — von gleich drei Vertretern der Sparkasse Neuss beziehungsweise der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland.

Auch optisch wurde somit klar, welchen Stellenwert das Institut bei der Veranstaltung hat, das laut Sparkassen-Vorstand Heinz Mölder einen "höheren fünfstelligen Betrag" für das "herausragende Kulturereignis" zur Verfügung stellt.

Für Stephan Meiser, Direktor Unternehmenskommunikation, ist die Unterstützung Teil eines erfolgreichen Geschäftsmodells. "Das Geld, das wir vor Ort verdienen, geben wir den Menschen in der Region zurück." Die Sozial- und Nutzenbilanz 2009/2010 der Sparkasse Neuss weist gut 3,5 Millionen Euro "Investitionen in eine nachhaltig gute Entwicklung der Region" aus, unabhängig von aktuellen Erträgen.

Die Summe bezieht sich auf den Rhein-Kreis — auf Soziales, Kunst, Sport, Brauchtum, Bildung, Umwelt und Kirche. Gesondert unterstützt werden Großveranstaltungen wie der Rheinische Schützentag, den man gemeinsam mit der VR Bank sponserte. Natürlich versuche die Sparkasse, die Mittel fair zu verteilen und keinen weißen Fleck auf der Förder-Landkarte zu hinterlassen. Gleichwohl gibt es lokale Besonderheiten: "Es gibt ja nicht überall ein Festival Alte Musik oder ein Sportinternat", sagt Meiser. Nach Dormagen flossen 2010 460 000 Euro, davon 193 000 an den Sport, 122 000 an die Kultur, 85 000 für Soziales und 53 000 fürs Brauchtum. Das Übrige erhielt die Kirche.

Ein regional verankertes Fördermodell pflegt auch die VR Bank Dormagen, die 2010 ein Spendenbudget von rund 300 000 Euro in ihrem Geschäftsbereich Dormagen, Norf und Rommerskirchen verteilt hat. Etwa die Hälfte stammt aus dem Topf des auf der Vertreterversammlung zum Teil neu besetzten Spendenbeirats, der das Geld aus dem Gewinnsparverein verteilt.

Die Bank stockt das Budget etwa in gleicher Höhe auf, abhängig vom Geschäftserfolg. "Das lokale Engagement ist Teil unserer Unternehmenskultur; unsere 144 Mitarbeiter leben ja auch hier. Unser Geschäft ist nicht anonym", sagt Vorstandsvorsitzender Theo Siebers.

Dazu kommen Werbung und Sponsoring; der DHC etwa wurde mit 17 000 Euro gefördert. "Das ist das Budget, mit dem wir über Jahre den TSV Bayer unterstützt haben." Künftig will die VR Bank Handball in geringerem Umfang unterstützen. Im Fokus steht die Gemeinnützigkeit, die bei Breitensport und Brauchtum besonders gegeben ist. Sparkasse und VR Bank sind Lebensversicherungen für viele Vereine — erst recht in Nach-Krisenzeiten. "Viele Unternehmen haben sich zurückgezogen", sagt Theo Siebers.

(NGZ)