Sparmaßnahmen in Dormagen Scharfe Kritik an Reduzierung der Grünschnittarbeiten

Dormagen · Nach der Ankündigung der Stadt Dormagen, die Grünschnittarbeiten auf öffentlichen Flächen einzuschränken, melden sich Bürger und Politiker zu Wort.

Der CDU-Ortsverband Zons kritisiert, dass viele Bänke zugewachsen gewesen seien.

Der CDU-Ortsverband Zons kritisiert, dass viele Bänke zugewachsen gewesen seien.

Foto: Marco Meuter

Vor einer guten Woche hatte die Stadt Dormagen mitgeteilt, die Grünschnittarbeiten im Stadtgebiet zu reduzieren. Rasenflächen in Park- und Grünanlagen sollen beispielsweise mit Ausnahme von Bereichen wie Einmündungen, Verkehrsinseln oder Grundstückszufahrten nicht mehr gemäht werden. Einerseits sei das für die Umwelt und die Insekten gut, andererseits eine Sparmaßnahme, hatte Bürgermeister Erik Lierenfeld mitgeteilt. Denn die Stadt spare dadurch mehr als 200.000 Euro ein. Umwelt oder Sparmaßnahmen – es ist ein Thema, an dem sich die Geister scheiden und prompt gab es erste Reaktionen auf die Entscheidung.

 In Delrath sei die Hundestation durch wuchernde Sträucher mit Dornen schwer zugänglich, die Olaf Temp zwischenzeitlich selbst zurückschnitt.

In Delrath sei die Hundestation durch wuchernde Sträucher mit Dornen schwer zugänglich, die Olaf Temp zwischenzeitlich selbst zurückschnitt.

Foto: Olaf Temp

Olaf Temp hält das Argument des Klimaschutzes für eine „faule Ausrede“, wie er sagt. Der Grünschnitt werde seiner Meinung nach nur wegen der Einsparungen reduziert. Sparmaßnahmen seien grundsätzlich zwar nötig, „aber man kann nicht auf der einen Seite die Grundsteuer erhöhen und auf der anderen Seite dem Bürger wieder etwas wegnehmen“, sagt er. „Der Bürgermeister nimmt den Menschen das bisschen Oase, das es hier gibt“, so Temp, der sowohl als Bürger wie als Ausschussmitglied der Zentrumspartei spricht. In Delrath sei der Altenpark an der Wilhem-Zaun-Straße total verwildert, dort gingen gerne auch ältere Menschen spazieren. Aus diesem Grund hat er einen offenen Brief an den Bürgermeister geschrieben und diesen auch bei Facebook veröffentlicht. Temp, der auch Pate einer Hundestation in diesem Park ist, käme kaum noch an die Station, um Beutel nachzufüllen, ohne sich an Dornen durch wuchernde Sträucher zu verletzen. „Daher habe ich beschlossen, das Befüllen der Station so lange einzustellen, bis diese wieder die Pflege erhält wie es sich für einen Bürgerpark gehört“, sagt er. Ohne die Kotbeutel werde es für Hundehalter schwieriger, die Hinterlassenschaften der Vierbeiner zu entfernen, „wenn er die Hinterlassenschaft in der ungepflegten Parkanlage mit dem sehr hohen Gras überhaupt noch findet“, meint Temp. Es sei sicher löblich, den Insekten mehr Platz einzuräumen, aber das müsse mit mehr Planung geschehen und auch vernünftige Pflanzen dafür eingesetzt werden, die Bienen und Co. Nahrung geben, ist er überzeugt.

Der CDU Ortsverband Zons machte zum Thema Grünschnitt eine Umfrage bei Facebook und fragte die Bürgerinnen und Bürger, ob die Reduzierung der Grünschnittarbeiten für sie akzeptabel seien. 417 Nutzer stimmten ab, 90 Prozent stimmten mit „Nein“. In einer Pressemitteilung schreibt der Ortsverband: „Denn, ob es um Unkraut auf dem Spielplatz oder um zugewachsene Bänke geht, die Steuerzahler in Dormagen sehen es als Aufgabe der Stadt an, eine Verwahrlosung der Orte im Stadtgebiet zu vermeiden. Die Zonser CDU weist darauf hin, dass besonders in der historischen Altstadt nicht nur die Mauern, Türme und Häuser geschützt werden müssen, sondern dass Zons Bodendenkmal ist und es daher gilt, den ehemaligen Treidelfpad, wo mittlerweile schon Getreide wächst, und den Graben ebenfalls zu schützen.“ Der stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende Marco Meuter betont, dass Zons ein Vorzeigeort nicht nur für Dormagen, sondern für den gesamten Rhein-Kreis Neuss sei. „Die historischen Stadtmauern wuchern schon zu, das geht nicht, damit muss man pfleglich umgehen, um sie zu erhalten“, so Meuter. Zwar seien mittlerweile einige Parkbänke an der Stadtmauer frei geschnitten worden, aber das sei nur das Nötigste. „Die ganzen Jahre vorher ist das vernünftig gelaufen“, sagt Meuter. Das Argument des Insektenschutzes sehe er nicht. „Wenn man jetzt Blumen wie Mohn säen würde, um die Insekten zu bedienen – ok.“ Doch Gräser hätten wenig Mehrwert, im Gegenteil. „Das ist für Kinder und Hunde auch gefährlich, weil dort viele Zecken sind.“ Auch Hinterlassenschaften der Vierbeiner würden im hohen Gras genau deshalb ebenfalls seltener entfernt.

Gräser, die an der historischen Stadtmauer hochwachsen: Das geht nicht, findet der CDU-Ortsverband Zons.

Gräser, die an der historischen Stadtmauer hochwachsen: Das geht nicht, findet der CDU-Ortsverband Zons.

Foto: Marco Meuter

Die Stadtverwaltung reagiert auf Anfrage der Redaktion wie folgt: „Nach Veröffentlichung unserer Pressemeldung, in der wir die Gründe für die Reduzierung der Grünschnittarbeiten transparent und umfassend dargestellt haben, gab es verständlicherweise einige Redaktionen von Bürgerinnen und Bürgern. Auch aus dem Grund hat der Bürgermeister in Form eines Facebook-Videos noch einmal ausführlich zu dem Thema Stellung genommen“, so Stadtsprecher Nils Heinichen. „Wir haben Verständnis für Kritik und sehen uns jede einzelne Beschwerde sehr genau an. Wenn wir Kenntnis davon erhalten, dass beispielsweise Denkmäler oder Sitzgelegenheiten aufgrund der starken Vegetation nicht mehr zugänglich sind, gehen wir diesem Hinweis umgehend nach.“ Das sei auch in den vergangenen Tagen mehrmals der Fall gewesen. Klar sei aber auch, dass Grünschnittarbeiten nicht wie im Umfang der vorherigen Jahre durchgeführt werden könnten. „Aufgrund der starken Vegetation in diesem Jahr werden wir jedoch etwas mehr machen als ursprünglich geplant. Nichtsdestotrotz ist für den Einzelnen letztlich nicht immer nachvollziehbar, warum ausgerechnet ‚seine’ Fläche nicht oder wenig berücksichtigt wird. Auch dessen ist sich die Verwaltung bewusst. Hier können wir nur um Verständnis bitten.“