Dormagen: Sparkasse schließt Filiale in Stürzelberg

Dormagen : Sparkasse schließt Filiale in Stürzelberg

Ab dem 1. April 2017 werden in Stürzelberg keine Mitarbeiter der Sparkasse Neuss mehr vor Ort sein. Lediglich Automaten für gängige Bankgeschäfte wie Überweisungen tätigen oder Bargeld abheben bleiben am Standort erhalten.

Hubert Busch hat es gut. Er kann mit dem Computer umgehen. Jetzt hat sich der 63 Jahre alte Stürzelberger auch mit dem Thema "Online Banking" beschäftigt. Und das aus ganz pragmatischen Gründen. Denn nachdem Busch erfahren hatte, dass "seine" Filiale der Sparkasse Neuss an der Uedesheimer Straße in wenigen Monaten komplett auf Selbstbedienung umstellen wird, sieht er keinen Grund mehr, dorthin zu gehen. Beraten lassen können er und seine Frau sich dann dort nicht mehr, weil die beiden Mitarbeiter nicht mehr da sein werden. "Für mich ist das nicht ganz so schlimm", sagt Busch, doch er weiß, dass das für viele ältere Stürzelberger nicht angenehm sein wird. "Wer kein Auto hat oder nicht fahren kann, ist auf den Bus angewiesen, um zur nächsten Filiale nach Zons zu kommen", sagt er.

3,8 Kilometer sind es bis in den Nachbarort zur Geschäftsstelle, die von der Sparkasse Neuss ab April als Anlaufstelle für Beratungsgespräche genannt wird. "Unsere Serviceleistungen in Stürzelberg bleiben erhalten. Geld abheben, Überweisungen tätigen, Kontoauszüge ziehen, Daueraufträge ändern beispielsweise, all das ist weiterhin in Stürzelberg möglich", sagt Sparkassensprecher Raimund Franzen. Das persönliche Beratungsangebot werde nicht reduziert, sondern auf bestimmte Standorte konzentriert. Und zu denen gehört Stürzelberg bald nicht mehr. Ergeben habe das eine sogenannte Kundenstrom-Analyse, die das Geldinstitut regelmäßig für alle Filialen mache. Und die habe gezeigt, dass der Bedarf für die technischen Dienstleistungen da sei, für Beratungsgespräche jedoch nicht so sehr. Damit ist Stürzelberg nun die zweite Filiale - nach Delhoven 2011 - im Dormagener Stadtgebiet, die bald "mitarbeiterlos" funktionieren wird. "Ist denn Wirtschaftlichkeit wirklich alles?", fragt Agnes Meuther, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes. Sie ist sich sicher, dass vor allem den älteren Menschen die persönliche Ansprache fehlen werde und dass viele auch Angst davor haben, die Automaten zu benutzen. Auch Doris Rexin-Gerlach, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, findet die Entscheidung, "nur noch" SB-Standort zu sein, sehr schade. "Schulen, Kindertagesstätten, Lebensmittelhändler und eine Bank - das macht doch die Attraktivität eines Ortes aus", äußert sie ihre Meinung. Und: "So verschwindet ein Stück Nahversorgung."

Personalentlassungen hat die "Umwidmung", wie Franzen sie nennt, der Filialen nicht zur Folge. "Wir sind eigentlich bestrebt, die Angestellten, die unsere Kunden kennen, auch weiterhin einzusetzen", sagt er. Ob allerdings die Berater aus Stürzelberg ab April in Zons arbeiten werden, konnte er nicht sagen. Weitere Umwidmungen in Dormagen seien übrigens augenblicklich nicht vorgesehen. "Jedoch werden wir die Kundenstrom-Analysen weiter einsetzen und dann gegebenenfalls zu anderen Ergebnissen kommen", sagt der Sprecher. Unter anderem wird zum 1. April auch die Geschäftsstelle Uedesheim zum SB-Center. Als nächste Filiale wird ebenfalls Zons empfohlen.

(NGZ)