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Dormagen: Spannungsgeladene Eröffnung

Dormagen : Spannungsgeladene Eröffnung

Wohl selten erschien den Zuhörenden eine Aufführung von Johann Sebastian Bachs h-Moll -Messe so spannungsgeladen und im besten Sinne kurzweilig wie die zur Eröffnung des 20. "Festivals Alte Musik" in der voll besetzten Basilika Knechtsteden.

Wie von den beiden gut informierten Schülern des Norbert-Gymnasiums — Fabian Hübenthal und Philipp Vollmer — schon in der Einführung berichtet, orientierte sich der Künstlerische Leiter Hermann Max bei der Interpretation an neuen Erkenntnissen des Leipziger Bacharchivs, die vor allem eine noch intensivere Deutung der Texte betreffen.

Das wurde in der farbigen, die Gegensätze bis zum Äußersten herausarbeitenden Deutung durch den souverän und mit spürbarer Freude leitenden Hermann Max und seine ihm willig folgenden Mitstreiter überaus deutlich.

Der geöffnete Himmel

Stellvertretend seien der jubelnde Beginn des Gloria, bei dem man meinte, den Himmel offen zu sehen, und eine besonders eindringliche Passage im Credo genannt: das in düsteren Farben gemalte "Cruxifixus est pro nobis" ("Er wurde für uns gekreuzigt") und anschließend das vor Glaubensfreude fast berstende "Et resurrexit tertia die secundum scripturas" ("Auferstanden am dritten Tag nach der Schrift").

Die "Rheinische Kantorei", in der auch alle Solisten mitsangen, war bezüglich Klangschönheit, Durchsichtigkeit und sorgfältiger Diktion wieder einmal über alle Zweifel erhaben. Aus dem mit vorbildlichem Engagement und einnehmender Klangschönheit agierenden "Kleinen Konzert" ragten Konzertmeisterin Anne Röhrig (vor allem in ihrem Solo), die treffliche Continuo-Cellistin Barbara Kernig, die gesamte Holzbläsergruppe und die drei Trompeter heraus.

Ovationen zum Schluss

Veronika Winter begeisterte einmal mehr mit ihrem klar zeichnenden, warm getönten, höhensicheren Sopran, während ihre Stimmkolleginnen Elisa Rabanus und Verena Gropper (jeweils in Duetten eingesetzt) sich — ungeachtet ihrer hohen stimmlichen Qualitäten — gegen ihre jeweiligen Duopartnern nicht so recht behaupten konnten. Hans Jörg Mammel gefiel mit kernigem, strahlkräftigem Tenor ebenso wie Markus Flaig mit profundem Bass-Bariton.

Über einen gut geführten, hellen Countertenor verfügte Franz Vitzthum. Das passte ausgezeichnet zur Arie "Qui sedes" im Gloria, konnte aber die Ausdrucksintensität des "Agnus Dei" nicht so recht vermitteln. Nach zwei Stunden herrschte zunächst wohltuende, angemessene Stille — dann brachen sich Ovationen Bahn.

(NGZ)