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Sonderausstellung im Phono- und Radiomuseum startet am Sonntag 28. Oktober

Sonderausstellung in Dormagen : Als der Ton noch aus dem Trichter kam

Die 20. Sonderausstellung des Phono- und Radiomuseum widmet sich den Anfängen der Schallaufzeichnung. Zur Eröffnung am Sonntag spielt das Karsten Vorwerk Trio live und die Bürgerstiftung startet den Adventskalenderverkauf.

Volkmar Hess läuft durch sein Sortiment, wählt ein Grammofon seiner Wahl, legt eine Schallplatte auf und steht ganz still. Es knistert erst, dann ist der Opernsänger Enrico Caruso zu hören. „So klang es 1903“, sagt Hess. Und diesen ganz speziellen Sound möchten Hess und sein Partner Helmut Dietsch mit der 20. Sonderausstellung des Dormagener Phono- und Radiomuseums vermitteln. „Hast Du Töne – als der Ton noch aus dem Trichter kam“ lautet die neue Ausstellungsreihe, die bis zum April andauern wird. Eine musikalische Zeitreise.

Alles fing mit Thomas Alva Edison an. Dem US-amerikanischen Erfinder gelang es als Erstem, mit seinem Phonograph die menschliche Stimme auf Walzen aufzuzeichnen und auch wiederzugeben. Dabei dachte er zunächst gar nicht an die Wiedergabe von Musik. Mit dieser Erfindung begann die stürmische Entwicklung von Tonträgern und deren Abspielgeräten.

Zu Carusos Zeiten war das Grammofon noch nicht so beliebt. „Die Trichter waren einfach zu groß und passten nicht in die Wohnzimmer“, erklärt Hess. 1910 kamen die ersten Schrankgrammofone auf den Markt. In Deutschland gab es zu dieser Zeit etwa 1600 Hersteller, weiß Hess. In der Ausstellung wird ein umfangreiches Bild gezeigt, selbst Spielzeug-Grammofone für Kinder und Grammofon-Wecker sind zu entdecken. „Mir ist es wichtig einen technischen Abriss von 1895 bis 1930 zu zeigen“, sagt Hess.

Heutzutage erleben Schellackplatten wieder einen modischen Aufschwung. In Zeiten von Streamingdiensten ist es wieder beliebt geworden, Schallplatten zu sammeln und Musik über Tonbandgeräte zu hören. „Erst letzte Woche habe ich den Plattenspieler eines Studenten repariert“, sagt Hess. Seit 30 Jahren restauriert er Grammofone. Pro Gerät brauche er ein bis zwei Tage. Er ist damit ein seltener Fund, denn in Deutschland gebe es nur noch eine Handvoll Spezialisten, die das nötige Wissen hätten, so Hess. Geld verdiene er mit der Arbeit aber nicht, es sei eher ein Hobby.

Ein weiteres ist das Sammeln von Kuriositäten. Hess und Dietsch gründeten 2010 das Phono- und Radiomuseum auf der Bahnhofstraße. Es ist eine Seltenheit. Im vergangenen Winter erhielten sie die Goldene Münze der Stadt Dormagen. Am 30. Juli hat die Bürgerstiftung dem Museum ein Klavier gespendet.

Auf diesem wird das Karsten Vorwerk Trio bei der Auftaktveranstaltung am Sonntag, 27. Oktober, ab 15.15 Uhr melodischen Jazz spielen. Als zusätzliches Bonbon startet die Bürgerstiftung ihren diesjährigen Adventskalenderverkauf. Dazu gibt es Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.

„Ich will zeigen, dass man mit alter Musik noch unterhalten kann“, sagt Hess. „Die Leute sollen sehen, was unsere Väter und Großväter damals zur Verfügung hatten, um Musik zu hören.“ So ist im Museum eine „riesige Palette mit Walkmännern der 20er-Jahre“ zu sehen. Nur sie stehen dort zum Verkauf, für etwa 160 Euro das Stück. Außerdem gibt es hier die weltgrößte Schallplatte mit einem 50 Zentimeter Durchmesser zu bestaunen 

Der Fundus wird laufend erweitert. Trichter aus Holz oder vernickelt, Markenprodukte und Unbekanntes. Hess und Dietsch fahren deutschlandweit zu Ausstellungen, so auch nächste Woche in Rödesheim zur internationalen Börse. So kommt auch jedes halbe Jahr eine neue Sonderausstellung zustande. Im nächsten Jahr steht dann auch schon das erste Jubiläum des Phono- und Radiomuseums an: Zum Zehnjährigen findet am 7. Juni ein Sommerfest statt, mit vielen Tänzern und dem Boogie-Pianisten Jörg Hegemann. Und natürlich mit einer neuen Sonderausstellung.