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Dormagen: Solar-Debatte neu entfacht

Dormagen : Solar-Debatte neu entfacht

Im Vorjahr hat der Eigenbetrieb die Bedingungen für den Bau von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden verschärft. Das lohnt nicht mehr, sagen Investoren. Die aktuellen Entwicklungen entfachen die Solar-Diskussion neu.

Als der Eigenbetrieb im September 2010 das Regelwerk für die Nutzung von Photovoltaikanlagen auf städtischen Dächer ausformulierte, winkten einige Interessenten schnell ab: zu teuer, nicht fair, alle Risiken sind beim Bürger –so grantelte seinerzeit etwa Ernst Orthmann, der an allen fünf Bürgersolaranlagen beteiligt ist.

Die Diskussion um die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke – und damit drohender höherer Strompreise – entfacht die Solar-Diskussion jetzt neu. Sonnenenergie, so scheint es, ist attraktiv wie nie. "Wir werden kontrollieren, ob die neue Regelung weitere Bürgersolaranlagen abgewürgt hat", sagt SPD-Fraktionschef Bernhard Schmitt, der nun Zahlen abfragen will. Ein kurzfristiger Antrag sei denkbar.

Einspeisevergütung reduziert

Nach dem Regelwerk des Eigenbetriebs soll der Mieter eine Pacht in Höhe von mindestens fünf Prozent der jährlichen Einspeisevergütung berappen, die Kosten für Abbau und Entsorgung der Anlagen zahlt der Mieter genauso wie die Untersuchung der Dachfläche durch einen Statiker. Hinzu kommt, dass sich die staatlich garantierte Einspeisevergütung zu Beginn des Jahres von 33,03 Cent auf 28,74 Cent je Kilowattstunde reduziert hat.

Für Ernst Orthmann ist das Thema Solar dennoch interessant: "Es rentiert sich immer noch, mit dem eigenen Dach Geld zu verdienen." Die Investitionen lägen bei rund 3000 Euro pro Kilowattpeak; Module in dieser Größenordnung belegen etwa neun Quadratmeter Dachfläche. "Drei bis vier Kilowattpeak sollten es aber sein, das wäre eine kleine Anlage", sagt Orthmann, der von einer Rendite in der Größenordnung von 6,5 bis sieben Prozent spricht. In Dormagen seien gerade einmal 2,3 Prozent der potenziellen Dächer belegt.

Das Thema Solar beackert die Stadt bereits seit 1995. "Es gibt inzwischen 220 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 3900 Kilowattpeak", sagt Anna Janoschka, Leiterin des städtischen Umweltteams. Neue Grundstücke würden so ausgelegt, dass die Nutzung einer Solaranlage möglich sei. Derzeit wird das Dach der Erich-Kästner-Schule saniert, um es anschließend zu verpachten; auf dem Dach des neuen Feuerwehrgerätehauses in Zons soll ebenfalls ein Investor eine Anlagen errichten. Einer, der die Chance bereits von zwei Jahren ergriffen hat, ist der Stürzelberger Landwirt Max Kallen: "Die Solaranlage war für uns eine wirtschaftliche Entscheidung – auch wenn wir zwei unterdurchschnittliche Jahre hinter uns haben." Bereut hat er den Schritt nicht. "Die Erhöhung der Strompreise", da ist sich Kallen sicher, "ist unausweichlich."

(NGZ)