Silbersee-Streit in Dormagen Derbe Kritik nicht zielführend

Meinung | Dormagen · Mangelhafte Transparenz, Schweigen, Akteneinsicht, deftige Beschimpfungen – die Lage beim Thema Silbersee ist so emotional wie noch nie.

Die alte Zinkhütte, die auf dem Silbersee-Areal stand. Ein Bild aus dem Jahr 1915.

Die alte Zinkhütte, die auf dem Silbersee-Areal stand. Ein Bild aus dem Jahr 1915.

Foto: Breimann

Über Jahre war das Thema so ruhig wie die Wasseroberfläche des Silbersees, um den es geht. Vornehmlich die Kreis-Grünen und Bürgerinitiativen sind am Ball geblieben, haben sich näher mit der ausgesprochen komplexen, inhaltlich anspruchsvollen Materie einer starken Schadstoffverseuchung beschäftigt. Ihr Dauer-Alarm hat jetzt für einen politischen Streit auf breiter Front gesorgt. Wer sind die „Kontrahenten“: Auf der einen Seite Grundstückseigentümer RWE Power, der Rhein-Kreis als Untere Bodenschutzbehörde, die Kreis-CDU.

Auf der anderen Seite sind es die Kreis-Grünen, Bürgerinitiative Elvekum und jetzt auch die Grünen in Dormagen, die zunächst eher verhalten waren, und Bürgermeister Erik Lierenfeld. Seit dieser Woche gibt es eine neue Eskalationsstufe. Für die sorgte Sven Ladeck, seit Februar Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion.

„Starrsinn ohne Substanz“, „ideologischer Verbohrtheit“, „Verhinderung der Schaffung von Arbeitsplätzen“ – es ist schon starker Tobak, den der 31-jährige Kaarster den Grünen um die Ohren haut. Warum eigentlich? Haben Arbeitsplätze Vorrang vor Umweltschutz? Ist es unredlich, für Klarheit, Wahrheit, Transparenz sorgen zu wollen? Der Rhein-Kreis hat bei Letzterem bislang nicht gerade geglänzt. Es ist schon erstaunlich, dass diejenigen, die am weitesten entfernt wohnen, stärker ein „weiter so“ fordern als diejenigen, die letztendlich betroffen sind: Die Stadt Dormagen will für viel Geld ein (verseuchtes) Areal kaufen, die Bürger sind von Kosten und vor allem von (möglichen) Umweltbelastungen betroffen. Zielführend und vor allem argumentativ überzeugend ist der Ladeck’sche Kniefall vor dem Landrat nicht.

In Dormagen selbst hat es einen Stimmungswandel gegeben. Vor zwei Jahren betonte die Stadt noch, dass die Umweltbelange „im Rahmen der einzelnen Planverfahren ausreichend gewürdigt“ worden seien. Inzwischen gibt es ein Umdenken. Salopp gesagt ist Bürgermeister Lierenfeld sauer auf den Kreis, über dessen mangelhafte Transparenz und die fehlende Bereitschaft für ein „Ober-Gutachten“. Die Folge: Die Stadt wird das Areal vorerst nicht kaufen, eine Entwicklung samt Ansiedlungen ist zeitlich überhaupt nicht abzusehen.