Dormagen: Sex im Raphaelshaus: Trio verurteilt

Dormagen : Sex im Raphaelshaus: Trio verurteilt

Drei ehemalige Bewohner des Dormagener Jugendhilfezentrums Raphaelshaus standen nun in Düsseldorf wegen einvernehmlicher sexueller Handlungen an Kindern vor Gericht. Die Einrichtung hat Kontrollmechanismen verschärft.

Drei ehemalige Bewohner des Dormagener Jugendhilfezentrums "Raphaelshaus" sind wegen sexueller Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren vor dem Düsseldorfer Amtsgericht vom Jugendrichter verurteilt worden — zum Schutz der Jugendlichen fand die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die einvernehmlichen Taten liegen bereits zweieinhalb Jahre zurück, waren seinerzeit vom Raphaelshaus angezeigt worden und wurden erst am Wochenende öffentlich bekannt.

Im Jahr 2010 war es zum mehrfachen Sex in einer Gruppe gekommen, die Kinder aufnimmt, die zuvor sexuelle Auffälligkeiten gezeigt hatten. Die Beteiligten waren im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren, drei von ihnen (14 und 15) waren strafmündig. Da sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren verboten sind, wurde die Polizei eingeschaltet, die Aufsichtsbehörden und die Eltern informiert, wie Hans Scholten, der Leiter des Raphaelshauses, betont: "Wir dulden weder Straftaten, noch lassen wir einen rechtsfreien Raum zu." Nach Aussagen der Beteiligten sei der Hauptgrund der Aktivitäten sexuelle Befriedigung im wechselseitigen Einvernehmen gewesen, erklärt Scholten: "Verhalten im Sinne von Gewalt, Nötigung oder Machtmissbrauch waren nicht vorhanden." Scholten weiter: "Durch diese Vorkommnisse wurden die sexuellen Auffälligkeiten und ein abweichendes Normbewusstsein der Jungen in Bezug auf Liebe und Sexualität, aber auch die Sexualität als starke Triebfeder des Verhaltens, deutlich."

Die drei nun Verurteilten wurden nach der Anzeige in andere Maßnahmen verlegt oder nach Hause entlassen. Die Vorkommnisse seien von den Mitarbeitern des Raphaelshauses mit professioneller Hilfe und unter Mitwirkung der Aufsichtsbehörde sowie externer Beratung minutiös aufgearbeitet worden. "Konzeption, Kontrollmechanismen und Veränderungen in der Aufsicht und im Regelwerk waren die Folgen, damit sich solches nach menschlichem Ermessen nicht mehr wiederholt", sagt Scholten.

"Bei der Eröffnung der Gruppe 2004 war uns sehr wohl bewusst, dass wir mit einer äußerst schwierigen Klientel Pionierarbeit leisten", betont der Direktor. Die Arbeit werde auch als Schutzauftrag für die Gesellschaft und die anvertrauten Kinder und Jugendlichen verstanden. "Mit diesem Ziel haben wir — wissenschaftlich belegt — grundsätzlich viel Erfolg", weist Scholten auf die Begleitforschung hin: "Die Gruppe stellt ein spezifisches Auffangnetz einer bis dahin gescheiterten Kinder- und Jugendhilfe dar." Die Kooperation gelinge im Vergleich zu anderen Jugendhilfemaßnahmen insgesamt sehr viel besser.

Das Gerichtsverfahren ist nicht die einzige Aufregung für das Raphaelshaus: 2012 waren drei jugendliche Straftäter des Modellprojektes "Vollzug in freien Formen" geflohen, die sich inzwischen gestellt haben oder wieder aufgegriffen wurden und nun ihre Reststrafe im Gefängnis verbüßen müssen.

(NGZ/url/top)
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