Kommunalwahl 2014: Sensation: Erik Lierenfeld wird Bürgermeister

Kommunalwahl 2014: Sensation: Erik Lierenfeld wird Bürgermeister

Der SPD-Herausforderer setzt sich gegen Amtsinhaber Peter-Olaf Hoffmann (CDU) klar durch. CDU mit knapper Mehrheit im Stadtrat.

Der SPD-Herausforderer setzt sich gegen Amtsinhaber Peter-Olaf Hoffmann (CDU) klar durch. CDU mit knapper Mehrheit im Stadtrat.

Als um 19 Uhr die Ergebnisse der beiden ersten von insgesamt 61 Stimmbezirken eingeblendet wurden, rauschte der erste Jubel durch die Kulturhalle. Da vereinigte Erik Lierenfeld 65,9 Prozent der Stimmen auf sich, Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann lediglich 26,5. "Horrem ist SPD-Land", äußerte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Bernhard Schmitt zurückhaltend.

Das sollte sich in den kommenden Minuten ändern, weil die starken Ergebnisse für den SPD-Bürgermeisterkandidaten auch in einer vermeintlichen CDU-Hochburg wie Zons anhielt. Um 22.58 Uhr steht fest: Der erst 27 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt schafft die Sensation, erreicht auf Anhieb mit 52,1 Prozent die absolute Mehrheit und wird neuer Dormagener Bürgermeister. Amtsinhaber Hoffmann (34,1) zeigt sich gefasst und gratuliert Lierenfeld.

"Ich hatte mit einer Stichwahl gerechnet, aber das ist Demokratie", sagte Hoffmann. "Ich übernehme persönlich die Verantwortung für dieses Ergebnis der CDU. Die Bürger haben mich als Person oder meine Sachentscheidungen, die für diese Stadt notwendig waren, nicht akzeptiert." Er habe immer betont, seine Entscheidungen fälle er stets zum Wohle der Stadt, nicht für Wählerstimmen. Dem neuen Bürgermeister Lierenfeld wünscht Hoffmann, der morgen 67 Jahre alt wird, alles Gute. "Ich gehe nun in den Ruhestand und widme mich meinen Ehrenämtern. Diese Aufgaben gehen für mich weiter." Während noch ein Stimmbezirk fehlte, enterten Lierenfeld und Mitstreiter schon die Bühne in der "Kulle". "Der ganze Tag heute ist wie ein Traum — unfassbar." Wenig später rauschte der SPD-Tross zur Siegesfeier in Richtung "Tanke" für eine lange Nacht...

  • Hintergrund : Die Wahlpannen der Parteien und Städte 2014

Die CDU kommt nach starken Verlusten mit einem hauchdünnem Vorsprung von 36,8 Prozent gegenüber 36,3 Prozent für die SPD aus der Stadtratswahl. Beide haben künftig 16 Sitze im neuen Rat. Drittstärkste Kraft ist das Zentrum, das sein Ergebnis von 2009 von 5,2 auf 7,4 deutlich verbessern konnte und einen Sitz hinzu gewinnt. Die Grünen behaupten ihre drei Ratsmandate, während eine enttäuschte FDP mit 4,4 Prozent einen Sitz verliert. Die CDU verliert acht Wahlbezirke an die SPD. Schon heute gibt es erste Analysen in einer Fraktionssitzung. Das Duell der beiden Parteivorsitzenden ging in Dormagen-Mitte klar an Lierenfeld, der mit 50,8 Prozent das prozentual beste SPD-Ergebnis gestern einfuhr., während André Heryschek über acht Prozentpunkte auf 30,5 Prozent einbüßte. Das zweitbeste Resultat holte Fraktionschef Schmitt mit 50,7 Prozent in Horrem III. Das beste Resultat überhaupt holte Karl-Heinz Heinen (CDU) mit 62,1 Prozent in Straberg. Das zweitbestes Ergebnis für die CDU fuhr Norbert Dahmen mit 49,1 Prozent in Delhoven ein.

Aus der Europawahl 2014 geht die CDU mit 38,3 Prozent der Stimmen als Sieger hervor. Die Union verlor damit rund 3,5 Prozentpunkte gegenüber der vergangenen EU-Wahl. Die SPD erreichte in Dormagen 35,0 Prozent und legte damit im Vergleich um über elf Prozentpunkte zu. Der ehemalige Dormagener Bürgermeister und Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers (SPD), kommentiert das Abschneiden der Sozialdemokraten: "Ich glaube, dass die SPD hier in Dormagen eines der besten Ergebnisse im Land für die Europawahl geholt hat. Im Schnitt lag der Zuwachs in den anderen Kommunen eher bei sieben Prozent." Detlev Zenk, der für die SPD in den neuen Dormagener Stadtrat einzieht, schreibt das Ergebnis dem engagierten und bürgernahen Wahlkampf zu, den die SPD in Dormagen geführt habe. "Unsere Kandidatin für das EU-Parlament Petra Kammerevert hat in Dormagen viele gute Gespräche geführt", sagt Zenk.

Kai Uffelmann wird übrigens Dormagen als Kämmerer erhalten bleiben: Er unterlag bei seiner Bürgermeister-Kandidatur gegen Amtsinhaber Kai Hutzenlauf mit 34:66-Prozent unerwartet deutlich. "Ich hätte ihm ein besseres Ergebnis gewünscht. Er hat einen engagierten Wahlkampf geführt", bescheinigt Lierenfeld seinem Kämmerer. "Uffelmann und ich verstehen uns gut. Er hat nun einige Erfahrung in Dormagen sammeln können und kennt die Stadt. Ich bin sicher, dass er mir den ein oder anderen Rat geben kann", ist Lierenfeld sicher.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bürgermeisterwahl in Dormagen: So jubelt Erik Lierenfeld

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