Dormagen: Seniorenvertretung in der Sackgasse

Dormagen : Seniorenvertretung in der Sackgasse

Eine neutrale Vertretung der älteren Menschen in Dormagen ist das Wunschkind der Politik. Doch es läuft nicht rund: Die Stadt bestreitet, dass es den Seniorenbeirat schon gibt, das Seniorenforum hält sich für weisungsbefugt.

Der 19. April dieses Jahres war für Josef Otulak ein besonderer Tag. In der Begegnungsstätte der Awo kam der Stürzelberger mit Gleichgesinnten zusammen, um auf Geheiß des Stadtrates einen Seniorenbeirat zu gründen. Das taten sie denn auch — glaubt Otulak bis heute. Es gab in der Folge noch weitere Sitzungen des neuen Gremiums, ehe Otulak am 4. Juli eine E-Mail von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Bärbel Breuer, erhielt. Die enthielt einen Kernsatz, der Otulak erschütterte: "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keinen Seniorenbeirat."

Um die Interessen und Belange der älteren und älter werdenden Menschen in Dormagen soll es im Seniorenbeirat gehen. Diese Erwartung formulierte die Jamaika-Koalition im März 2011 in ihrem Antrag zu Einrichtung eines solchen Gremiums. Es soll zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Dormagener Senioren beitragen, sie beraten, Hilfestellungen im Alltag geben. Allgemeine oder ortsspezifische Themen, die für alle Dormagener Bürger von Interesse sind, sollen dort aufgerufen werden können. Über drei Seiten hinweg formulierten CDU, FDP und Grüne ihre Ansichten. Zu guter Letzt: "Im Übrigen regelt der Seniorenbeirat seine Angelegenheit selbst."

Einstimmig beschloss denn auch der Stadtrat am 11. Dezember 2012 die Einrichtung eines Seniorenbeirates. Der sollte Anschubhilfe vom Seniorenforum erhalten, in dem freie Träger wie die Diakonie, Awo oder Caritas agieren. Von dort und aus dem Seniorennetzwerk 55 plus sollen auch Kandidaten für diesen Seniorenbeirat benannt werden. So weit, so gut. Dachte auch der agile und erfahrene Ehrenamtler Josef Otulak. Er freute sich über den gelungenen Auftakt, eben die konstituierende Sitzung im April (dessen Protokoll unserer Zeitung vorliegt). Die angebliche Nicht-Gründung, wie von der städtischen Bediensteten Breuer behauptet, versteht er nicht: "Kein Zweifel, das war eine saubere Gründung." Oberflächlich gesehen dreht es sich zurzeit nur darum, ob der Beirat wie beschlossen neun oder doch elf Mitglieder haben kann.

Doch es stellen sich ganz andere Fragen: Warum können die im Seniorenforum engagierten Dagmar Drossart (Diakonie), Heinz Schneider (Caritas) und Annemarie Schmitt (Awo), die die E-Mail gezeichnet haben, die Gründung bestreiten? Ist das Seniorenforum dem neuen Seniorenbeirat weisungsbefugt? "Sicher nicht", sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Wiljo Wimmer. "Das Seniorenforum soll beraten und die Gründung begleiten." Von all diesen Vorgängen — Gründung, Nicht-Gründung — erfahren Politik und, wie es heißt, auch Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, zunächst nichts. Eine Weitergabe eines Schreibens Otulaks an den Bürgermeister wird von den Vertretern des Seniorenforums abgelehnt. Warum?

Vor zwei Wochen ist Otulak zurückgetreten. Ein Mitstreiter von ihm, Hans-Werner Anhalt, schickt vor zehn Tagen eine Art Hilferuf an den Bürgermeister. Er bemängelt: Das Seniorenforum sieht sich offenbar als ein vom Stadtrat legitimiertes Kontrollorgan des neuen Beirats. Hinter den Kulissen wird gemutmaßt, dass zumindest Teile des Seniorenforums fürchten, an Einfluss zu verlieren und so als Teilnehmer des Seniorenbeirats diesen gleichzeitig ausbremsen. Die Politik muss sich fragen lassen, ob die von ihr gewünschte Besetzung des neuen Seniorenbeirats aus den Reihen der "Konkurrenz" sinnvoll ist.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE