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Dormagen: Seniorenresidenz: Streit eskaliert

Dormagen : Seniorenresidenz: Streit eskaliert

Die CDU-Kritik am Engagement von Erik Lierenfeld hatte es in sich. Doch der Sozialdemokrat tritt weiter für den Erhalt der Innenstadt-Grünfläche ein. Das Thema ist brisant: Die Grüne Helga Fuhrmann legte ihr Ratsmandat nieder.

Der Wind, der durch die Baumkronen auf dem Gelände des alten Friedhofs weht, lässt die Blätter rascheln. Vögel zwitschern. Ansonsten ist es still — trotz der Nähe zur Römerstraße. Erik Lierenfeld zeigt auf das Areal, auf dem die Seniorenresidenz entstehen könnte. 2400 Quadratmeter soll der Bau einnehmen. "Etwa 20 Prozent der ruhigen Grünfläche werden aufgewendet", sagt Lierenfeld. Unterwegs ist er am Freitagmittag als gewöhnlicher Bürger. Als solcher will sich der zweite stellvertretende Bürgermeister der Stadt auch in seinem Engagement für den Erhalt des Geländes verstanden wissen.

In dieser Woche war seine Unterstützung der Bürgerinitiative City-Smaragd, die das Gelände als schützenswertes Biotop sieht, Auslöser heftiger Kritik (die NGZ berichtete). Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, CDU-Fraktionsvorsitzender Wiljo Wimmer und der neue Unions-Stadtverbandsvorsitzende André Heryschek waren den Sozialdemokraten massiv angegangen. Lierenfeld stelle sich gegen eine Mehrheitsentscheidung des Planungsausschusses, als einer der obersten Repräsentanten der Stadt. "Es ist unerträglich, wenn unter dem Deckmantel des stellvertretenden Bürgermeisters Parteipolitik betrieben wird", kritisierte Heryschek. Und weiter: "Bei den Protesten handelt es sich um blanken Populismus, an dem sich Lierenfeld amtsmissbräuchlich beteiligt."

Die SPD-Fraktionsspitze nahm ihr Fraktionsmitglied in Schutz. Es dürfe durchaus sein, dass auch ein stellvertretender Bürgermeister seine eigene Meinung vertritt — auch öffentlich an einem Proteststand. "Ich möchte diese Debatte selbst nicht befeuern und niemanden angreifen. Doch ich habe mich über den harten Ton gewundert", sagt Lierenfeld. Von Heryschek erwarte er eine Entschuldigung.

Dass das Vorhaben Seniorenresidenz Sprengstoff enthält, wird auch bei den Grünen deutlich: Stadträtin Helga Fuhrmann gab ihr Ratsmandat unlängst auf. "Die Entscheidung für die Seniorenresidenz hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt sie. Bereits seit langem würden ihr "Grüne" Positionen in der Stadt fehlen. Fraktionschef Ingo Kolmorgen, der 2006 selbst noch gegen den Bau war, erklärt: "Damals haben wir den Bedarf für seniorengerechtes Wohnen nicht gesehen. Dafür haben wir Prügel einstecken müssen. Durch die Fakten zum demografischen Wandel stellt sich das nun anders dar." Mittlerweile halte er den Bau für sinnvoll.

Lierenfeld, der die Bürgerinitiative weiter unterstützen will, tritt seinen Kritikern entgegen. "Ich bin zu jeder Sachdiskussion bereit."

(NGZ)