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Dormagen: Seniorenresidenz: Bürger streiten

Dormagen : Seniorenresidenz: Bürger streiten

Die Pläne für den Bau der Seniorenresidenz an der Langemarkstraße ist auch in der Bürgerschaft umstritten. Das wurde am Freitag am Stand der mobilen NGZ-Redaktion deutlich. Es gab auch Alternativvorschläge.

Kaum ein Thema spaltet die Bürgerschaft so sehr wie das geplante Seniorenzentrum an der Langemarkstraße. Die Redaktion hat das Stimmungsbild gestern beim NGZ-Mobil vor dem alten Rathaus aufgenommen.

Gisela Geisler findet den Standort gut: "Senioren müssen zu Fuß in die City und zum Markt gelangen können." "Ärzte und Therapeuten sind hier", sagen Renate und Franz-Josef Gilgen, die händeringend eine Seniorenwohnung suchen. Wie Alfred Wink plädiert auch Heinz Doergis (81) für die Bebauung: "Diese Lage ist perfekt geeignet", sagt der zugezogene Straberger.

Die Residenz-Gegner, die das Areal als Biotop bezeichnen, versteht er nicht: "Da wächst eine Menge Unkraut, nichts Schützenswertes." Er ist dafür, den alten Friedhof besucherfreundlicher zu gestalten, die Kieswege zu befestigen und Ruhebänke aufzustellen. Unterstützung erhält er von Conny Kollenbroich: Der Ex-Oberst meint, dass Alloheim-Bewohner nie in die Stadt gelangen. Er kenne fünf, sechs Leute, die sofort in die neue Residenz einziehen würden — er inklusive.

Auch er sieht kein "Biotop" an der Langemarkstraße, "nur Disteln und Brennesseln." Ähnlich sieht es Franz Huggenberger (65), der sich auch vorstellen kann, in die Seniorenresidenz einzuziehen. Er meint: "Das Grundstück wird doch nicht benutzt." Sein Motto: "Die Politik sollte sich um die Lebenden kümmern." Auch Hans Lorenz (75) fände es interessant, sich an der Langemarkstraße eine Wohnung zu kaufen.

"Man darf die Kaufkraft der Senioren nicht unterschätzen", sagt der Hackenbroicher. Hans-Jürgen Schliemann befürwortet den Bau aufgrund des Mangels an seniorengerechten Wohnungen. "Ich habe meine Mutter nach Düsseldorf bringen müssen, weil sonst alles voll war", sagt er. Wegen der Nachfrage ist auch Johannes Marx für das Projekt, das für Leben in der Innenstadt sorgen würde. "Das Thema Demografie muss angegangen werden." Für Maria Kauke ist das Areal eine ungepflegte "Horror-Ecke". Neben dem Gebäude solle vom Erlös der Friedhof parkartig gestaltet werden.

Was spricht gegen den Bau? Peter Johannsen ist "für die Seniorenresidenz, aber nicht an diesem Standort". Ideal wäre seiner Meinung nach das Wohnhaus in der Alten Post gewesen. Auch in Rheinfeld in der Nähe des Schützenplatzes könnte er sich seniorengerechtes Wohnen vorstellen. Auch Erhard Masset meint, dass man den Bedarf anders stillen könnte und vermutet, dass das Thema Demografie nur vorgeschoben sei, um Investoreninteressen zu genügen.

Für Arno Zöller hat die Bauplanung "ein Geschmäckle. Vor Jahren wurde bereits eine Seniorenresidenz dort geplant und rigoros wegen des Grüns abgelehnt." Heute würde er die Grünfläche erhalten. Dass sich Erik Lierenfeld dafür einsetze, findet er in Ordnung.

Walter Werner meint: "Die machen uns die Innenstadt kaputt und nehmen uns das letzte Grün." Karl-Heinz Buß freut sich übers "wunderschöne Vogelkonzert" und sieht dort viele seltene Pflanzen."

Er fürchtet neue Betonwüsten wie vor und hinter dem Rathaus oder am Marktplatz. Melanie Karbach würde einen anderen Standort bevorzugen. Zum Beispiel das Areal der Zuckerfabrik. Sie glaubt, dass es Konflikte der Senioren mit der Kulle geben könnte. "Es kann schon mal lauter zugehen."

(NGZ/rl)