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Selber pflücken in Dormagen: Kartoffelernte wie zu Omas Zeiten

Selber pflücken in Dormagen : Kartoffelernte wie zu Omas Zeiten

Auf dem Goldberger Hof konnten Kunden bei Landwirt Simon Klein die Kartoffeln selbst ernten. Viele machten davon Gebrauch nun nahmen auch noch Tipps für die richtige Lagerung mit nach Hause.

Am Wochenende war auf dem Goldberger Hof das „Selber ernten“ von Kartoffeln angesagt. Die Kunden hatten die Gelegenheit, die maschinell aufgereihten  Knollen aufzulesen und in bereitliegende Säcke abzufüllen. Das taten sie denn auch, die Nachfrage am Wochenende war ausgesprochen groß. Die weiteste Anreise hatte eine Familie aus dem Siegerland.

Mit dem „Stoppeln“ aus frühen Zeiten nach dem Krieg, an die sich nur noch wenige  Menschen erinnern, hatte die von Landwirt Simon Klein organisierte Aktion jedoch wenig zu tun. Punkt 12 Uhr bestieg Klein den Traktor, setzte den Roder in Betrieb und fuhr im langsamen Tempo eine Reihe ab. Dann wurden jeweils Fünf- Meter-Segmente oder mehr abgesteckt, und das Einsammeln konnte beginnen. Auf dem drei Hektar großen Feld war das Kartoffelkraut längst verwelkt, was den idealen Erntezeitpunkt der Sorte „Belana“ anzeigt. Das ist eine hochwertige und festkochende Kartoffel, „sehr frohwüchsig, in der Erntemenge nicht besonders hoch, mit einer tollen Lagerfähigkeit“. Klein hat „Belana“ aus diesen Gründen für seine konventionelle Anbauweise nach den Regeln des Integrierten Pflanzenbaus ausgewählt.

In gemischter Größe kommen die Allroundknollen ans Tageslicht und brauchen nur noch aufgeklaubt zu werden. Ob als Ofen-, Pell- oder Salzkartoffeln – „Belana“ bewährt sich bei jeder Art der Zubereitung. Fünf Meter in der Reihe sind für elf Euro zu haben. Daraus ergaben sich dann 50 Kilogramm Erntegut. Dabei kam ein konkurrenzloser Kilopreis heraus. Manch einer begnügte sich mit seiner 5-Meter-Erntestrecke. Der geographische Ausreißer an diesem Samstag waren Yussuf und Ibrahim, die eigens mit Anhang aus dem Siegerland angerückt waren und eine Strecke von 25 Meter orderten; für den Heimtransport der prall gefüllten Säcke stand ein Kleinbus bereit. „Bei uns gibt es so etwas nicht“, sagen sie..

Hans und Margret sind aus Horrem aufs Feld gekommen. „Wir nehmen fünf Meter und die sind in drei Wochen aufgebraucht.“ In dieser Qualität bekäme man die Kartoffeln nicht im Geschäft, davon sind sie fest überzeugt. Ihr Erntegut soll demnächst zu einem großen Teil in Reibekuchen für eine Menge Gäste umgesetzt werden. Andere Kunden zielen eindeutig auf die Einkellerung der Knollen. Das ist heute freilich kein Selbstläufer mehr, denn Räume im Tiefgeschoss mit Lehmboden gibt es kaum noch. Und in vielen Haushalten sind auch Kartoffelkisten Mangelware. Aber kühle, trockene Räume sollten aufzutreiben sein, in denen die Temperatur unter 18 Grad gehalten werden kann. Auch Jutesäcke leisten so gute Dienste, dass die gelagerten Kartoffeln bis zum April des nächsten Jahres ihren exzellenten Geschmack bewahren. „Im Gegensatz zur Handelsware“, erklärt der Anbauer Klein, „sind unsere Kartoffeln weder begast noch mit Keimhemmern behandelt.“

Genau solche Unterschiede im Angebot wissen die Besucher zu schätzen. Sie sind dankbar für Infos zur Anbauweise, zur Verwendung und zum Aufbewahren. Insofern diente der Ausflug aufs Kartoffelfeld auch zum Verständnis für den Job des Landwirts. Und nicht zuletzt spielte bei diesem Ausflug auf den Kartoffelacker der Spaßfaktor eine Rolle. Jeder hat am Ende „seine“ Kartoffeln im Sack und daheim „seine“ Geschichte zu erzählen.