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Dormagen: Seit 40 Jahren vom Skatspiel fasziniert

Dormagen : Seit 40 Jahren vom Skatspiel fasziniert

Das Skat-Spiel wird 200 Jahre alt – auch in Dormagen hat es Tradition. Das Spiel schule die Konzentration und stärke den Zusammenhalt, sagt Wilfried Müller vom ältesten Skatclub der Stadt. Viele Jugendliche überzeugt das nicht mehr.

An sein erstes Skatspiel kann sich Wilfried Müller noch genau erinnern. Es war Anfang der 1970er Jahre bei einem Landesliga-Auswärtsspiel des TSV Dormagen. Am Spielfeldrand versuchte er damals sein Glück. Seitdem hat ihn die Faszination nicht mehr losgelassen. "Später habe ich dann viel in Gaststätten gespielt", sagt der 56-Jährige. 1998 trat er schließlich in den Club "Hinter der Mauer" 1955 Zons ein. Seit mittlerweile acht Jahren führt er als Vorsitzender den ältesten Skatclub Dormagens.

Für Müller gibt es zwei Gründe, warum das Spiel noch immer seinen Reiz hat. Zum einen fördere es die Geselligkeit. "Zudem trainiert man beim Skat die Konzentration", sagt der Zonser. Bei manchen Wettbewerben werde zehn Stunden lang gespielt. Wer angesichts dieser Belastung nicht gelernt habe, permanent aufmerksam zu sein, der habe keine Chance.

Diese Faktoren dürften maßgeblich zum Erfolg des Spiels beigetragen haben. Bereits seit 200 Jahren treffen sich Menschen zum Skatspielen. Im September 1813 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Doch im 200. Jahr des Bestehens hat das organisierte Skatspiel auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So fehlt beispielsweise dem Zonser Club der Nachwuchs. Mit seinen 56 Jahren ist Wilfried Müller noch eines der jüngeren Clubmitglieder, das Durchschnittsalter liegt bei 65 Jahren. "Viele Jugendliche wollen keine Verpflichtungen eingehen", sagt Müller. Wenn sie Skat spielen, dann meist über das Internet. Doch dabei fehle der persönliche Kontakt, so Müller: "Beim Spiel im Internet kann man seinen Gegenspieler nicht nervös machen." Der fehlende Nachwuchs hat bereits Auswirkungen auf den Zonser Club. So wurde die Aufnahme von neuen Mitgliedern erheblich erleichtert. Früher war es so, dass Interessenten von zwei Personen empfohlen werden und ein Jahr lang Probe spielen mussten, bevor sie aufgenommen wurden. Heute hingegen reichen regelmäßiges Erscheinen und die Zustimmung von der Mehrheit der Clubmitglieder. Eine Mannschaft für offizielle Wettbewerbe stellen die Zonser nicht mehr – dafür haben sie ihre eigenen Meisterschaften. Wer bei den zweiwöchentlichen Treffen über das Jahr gesehen am besten ist, wird Skatmeister. Zudem wird im Dezember ein Weihnachtsmeister gekürt, auf den jährlichen Clubfahrten wird der Reisemeister ausgespielt. Mit dem Klischee, dass Skat vor allem in bierseligen Runden gespielt wird, habe der Verein nichts zu tun. Alkohol schmälere nur die Aufmerksamkeit – und somit die Siegchancen.

In seiner Laufbahn als Skatspieler wurde Wilfried Müller unter anderem Fünfter bei der Landesmeisterschaft. Seine Fähigkeiten möchte der Zonser bald an junge Spieler weitergeben. Wenn er die Zeit dazu hat, will er an Schulen herantreten und beispielsweise eine Skat AG einrichten. Die Schüler könnten davon sehr profitieren, sagt er: "Skat ist auch Mathematik."

(NGZ)