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Dormagen: Sehnsucht nach Russland

Dormagen : Sehnsucht nach Russland

Wladimir Wäckerle kam 1996 zusammen mit seinen Eltern und weiteren Verwandten nach Deutschland. Ein Jahr später folgte ihm seine Frau Elena. Seit zwölf Jahren leben sie zusammen mit ihren zwei Kindern in Horrem.

Der Schrank im Wohnzimmer ist gefüllt mit russischen Büchern. An den Wänden hängen Ölmalereien, die Jekaterinburg zeigen. Die Heimatstadt in Sibirien weckt bei Elena und Wladimir Wäckerle Emotionen, während sie in ihrer Wohnung in Horrem sitzen, viele tausend Kilometer von der Millionenstadt entfernt.

Im März 1996 verließ der 52 Jahre alte Wladimir Wäckerle Jekaterinburg. Ohne seine Frau. Erst einen Monat vorher hatten er und Elena Wäckerle geheiratet. "Nachdem die ehemalige Sowjetunion zusammengebrochen war, erlebte Russland eine politische und wirtschaftliche Krise", erinnert sich der Hausmeister. "Alte Sitten fielen weg, es gab keine Ordnung mehr", erzählt er. Deutschland hingegen erschien wie die Lösung aller Probleme.

Doch der Anfang im fremden Land war nicht leicht. Ein Jahr lang sahen sich Elena und Wladimir Wäckerle nicht. "Die Telefonate nach Russland waren damals noch sehr teuer", sagt die 46-Jährige. Deshalb telefonierte das Ehepaar nur einmal pro Woche und schickte sich regelmäßig Briefe. Wladimir Wäckerle lebte zu der Zeit an der Friedensstraße in Horrem.

Im März 1997 war es schließlich soweit: Elena Wäckerle nahm den Flieger nach Deutschland. Mit gemischten Gefühlen traf sie ihren Mann wieder, der sich während des einen Jahres schon langsam in Deutschland eingewöhnt hatte. Für sie hingegen fing alles bei null an. "Es waren strenge Zeiten", erzählt Elena Wäckerle. In Russland habe sie alle ihre Freunde und ihre Familie gehabt, in Deutschland "nur" einen Mann. Hinzu kamen die Kommunikationsschwierigkeiten. "Zwar hatten wir beide in der Schule Deutsch gelernt, doch das war ja schon über zehn Jahre her", sagt ihr Mann. Also besuchten die beiden eine Sprachschule in Neuss. Obwohl Elena Wäckerle Jekaterinburg vermisst, gefällt ihr Dormagen gut. Zum Beispiel fährt sie hier gerne Fahrrad. "Das war in meiner Heimat nicht möglich, weil so viel Verkehr war", sagt sie. Die Kinder Alexandra (14) und Dennis (12) begeistern sich eher fürs Computerspielen oder sie treffen Freunde.

Wenn Elena Wäckerle etwas auf Deutsch sagen möchte, muss sie sich konzentrieren. "Vergangenen Freitag bin ich aus Russland wieder gekommen", sagt sie. Einen Monat hat sie in der Heimat verbracht. Wie jedes Jahr. "Wenn ich wieder nach Deutschland komme, habe ich viele Wörter vergessen", sagt sie lachend. Dann kommt es schon einmal vor, dass sie die Dormagener auf Russisch anspricht.

(NGZ/rl)