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Dormagen: Schwimmen in "Sammys" See

Dormagen : Schwimmen in "Sammys" See

Überregional bekannt geworden ist der Straberg-Nievenheimer See, als im Sommer des Jahres 1994 Brillenkaiman "Sammy" sein Unwesen in dem Badesee trieb. DLRG-Chef Carsten Gösch erinnert sich an die dramatische Suche.

Der Badestrand des Straberg-Nievenheimer Sees ist fast verwaist an diesem Ferienmontag. Nur die fröhlichen Schreie der Jugendlichen, die sich auf der blauen Planschinsel necken, sind aus der Ferne zu hören. Carsten Gösch, Chef der DLRG in Dormagen, schreitet das Ufer ab, das zugewuchert ist mit Büschen. "Hier war alles kahl 1994, der See war damals halb so groß", sagt Gösch und zeigt auf die Stelle am westlichen Ufer, wo der "Killer-Kaiman von Loch Neuss" entglitten sein muss.

Besitzer Jörg Zars mit "Sammy". Der Brillenkaiman lebt heute in einem Krokodilzoo im hessischen Friedberg. archivfoto Foto: Michael Reuter

Vor 18 Jahren hielt der Brillenkaiman "Sammy" ganz Dormagen in Atem: DLRG, Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt.

Inzwischen 1,50 Meter groß

Über dem "Strabi", heute Dormagens Badeparadies mit einer Wassertemperatur von derzeit knapp über 20 Grad, kreiste bald ein Hubschrauber. "Die haben über Lautsprecher durchgesagt, dass ein Kaiman im Wasser ist", erzählt der DLRG-Chef. Er habe damals als 18-Jähriger gar nicht gewusst, was das sei, ein Kaiman. Es dauerte nicht lange, bis sich auch die Medien auf das Thema stürzten: "In den ersten zwei Tagen war Sammy für alle das Monster, ab dem dritten Tag, als ein Jäger ihn ins Visier nahm, war es plötzlich der arme Sammy", sagt Gösch.

Auch Schüsse seien gefallen. Zum Schlafen ist der DLRG-Chef damals nicht gekommen. "Wir haben Tag und Nacht durchgemacht, im Wechsel ist immer einer von uns nach Hause gefahren, um sich hinzulegen. Besonders nachts wurde die Suche vorangetrieben. In der Nacht, so der Gedanke, könne man das Tier aufgrund seiner reflektierenden Augen besser finden. Fünf Tage dauerte die Suche nach Sammy. "Ein Taucher, der sich mit Reptilien auskennt, hat Sammy 50 Meter von der Stelle entfernt gefunden, an der er ins Wasser entwischt ist", sagt Carsten Gösch, der im Sommer mit seinen Kollegen von der DLRG den Badebereich innerhalb der Bojen kontrolliert.

Sammy lebt inzwischen im Krokodilzoo im hessischen Friedberg. "Es geht ihm gut", sagt Rene Renz, der bei dem Zoo arbeitet. Über Sammys Alter könne er keine genaue Auskunft geben. Klar ist aber, dass er noch eine lange Lebenszeit vor sich haben dürfte. Der Brillenkaiman gehört zur Gruppe der Alligatoren, und die werden bis zu 80 Jahre alt. Auch gewachsen ist Sammy, er misst 1,50 Meter. "Wie groß so ein Tier wird, hängt aber vor allem davon ab, ob es gut gefüttert wird", sagt Renz. In Vergessenheit geraten ist der "Killer-Kaiman von Loch Neuss" allerdings nicht. Rene Renz: "Wir werden hier immer wieder nach Sammy gefragt."

(fege)