Dormagen: Schwangerenberatung – von Mann zu Mann

Dormagen : Schwangerenberatung – von Mann zu Mann

Seit dem Jahr 2006 berät Peter Lotz werdende Papas. Ziel der Sitzungen ist es, die Männer in ihrer Rolle als Väter zu bestärken.

Paul kann nicht mehr ruhig schlafen, seit er erfahren hat, dass er Vater wird. Stolz und Panik wechseln sich ab. Neuerdings streitet er sich viel mit seiner Partnerin, auch im Geld. Denn eigentlich müssen beide Schulden abbauen. Der junge Vater ist verzweifelt – und deshalb ein Fall für Peter Lotz.

Der 44-Jährige hilft Papas und denen, die es werden wollen, bei allen Fragen rund um die Geburt. Seit 2006 ist er Väterberater in der Esperanza-Geschäftsstelle. Er weiß: Im Gegensatz zu früher ist die Vaterrolle heute nicht mehr festgelegt. "Viele Papas wollen sich mittlerweile stärker an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen", sagt der Sozialpädagoge. Ein Wunsch, der allerdings nicht immer mit beruflichen Anforderungen oder der Situation nach einer Trennung vereinbar sei.

Deshalb hilft die Väterberatung Männern dabei, ihr eigenes Vaterbild zu entwickeln und Prioritäten zu setzen. Die volle Verantwortung für das Familieneinkommen tragen, die Erziehung des Kindes mitgestalten und ein guter Ehemann oder Partner sein – das würde viele Männer überfordern. In Einzelberatungen oder Paargesprächen sucht Lotz gemeinsam mit den Hilfesuchenden nach Lösungsmöglichkeiten.

"Oft reicht es schon zu entscheiden, in welchem Maß der Mann Verantwortung übernehmen soll." Hinzu kämen eine Reihe "technischer Fragen" – wie das Ausfüllen eines Antrags auf Elterngeldmonate. Lotz: "Hin und wieder geht es auch um die Frage: ,Wie sieht mich meine Partnerin als Vater?'. Für viele Väter sei es wichtig, dass sie nicht in eine reine Assistentenrolle gedrängt werden. "Auch gestiegene finanzielle Bedürfnisse sind der Grund, warum Väter zu mir kommen."

Was ihn zu einem geeigneten Berater macht? "Lebenserfahrung, meine Ehefrau und natürlich meine drei Kinder. Dabei sei der Weg, den der Väterberater selbst geht – er arbeitet Teilzeit, seine Frau Vollzeit – keinesfalls der richtige. "Wichtig ist, dass ein Kind in einem gut funktionierenden System aufwächst." Und das sehe bei jeder Partnerschaft anders aus. Nicht immer könnten Eltern sich so organisieren, dass Vater und Mutter teilzeitbeschäftigt sind. "Das muss auch nicht sein. Beide sollten aber mit der vereinbarten Lösung zufrieden sein", findet der Sozialpädagoge.

Die Väterberatung in Dormagen gibt es seit 2001. In einigen anderen Städten steckt das Projekt allerdings noch in den Kinderschuhen, in vielen Kommunen wird die "Beratung von Mann zu Mann" gar nicht angeboten. Deshalb ist der Familienvater froh, dass der Rhein-Kreis Neuss den Stellenwert des Angebots (an)erkennt. "Schließlich ist es wichtig, dass die Väter einen männlichen Ansprechpartner haben." Die Zahlen sprechen für das Projekt: Im vergangenen Jahr hat Peter Lotz 81 Väter bei Fragen rund um die Geburt unterstützt.

(NGZ)