Dormagen: Schulleiter fordern klare Vorgaben zu G9

Dormagen : Schulleiter fordern klare Vorgaben zu G9

Nachdem CDU und FDP im Land ihre "Leitentscheidung" für die Rückkehr zu G9 an den Gymnasien getroffen haben, stehen die Dormagener Schulen vor großen Herausforderungen. Noch mangelt es an klaren Vorgaben zur Umsetzung.

Die "Leitentscheidung" von CDU und FDP, ab dem Schuljahr 2019/20 an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen wieder zum Abitur nach neun Jahren (G 9) zurückzukehren, stößt in Dormagen auf zustimmende, aber auch auf kritische Meinungen. Größter Kritikpunkt ist die fehlende Klarheit bei wichtigen Detailfragen. "Ich hatte mir eine klare Aussage gewünscht", sagt zum Beispiel Theodor Lindner, Direktor des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums, "so sieht es aus, als will man es sich mit niemanden verderben." An den Schulen werden sofort die Themen fehlendes Lehrerpersonal und zu wenig Räume aufgerufen. Vor allem letzterer Punkt könnte für die Stadt in den nächsten Jahren ein erheblicher Kostenfaktor werden, denn an allen betroffenen Schulen fehlen die notwendigen, zusätzlichen Räume für die Umsetzung von G 9.

Als "noch nicht ausgegoren" bezeichnet Herbert Kremer, Leiter des Leibniz-Gymnasiums in Hackenbroich, die Grundsatzentscheidung in Düsseldorf. "Wie soll G9 inhaltlich aussehen? Was wird mit der zweiten Fremdsprache, die zurzeit ab Klasse sechs einsetzt? Vieles ist ungeklärt. Ich nehme die Entscheidung erst einmal nur zur Kenntnis." Es gibt aber auch deutlich positive Stellungnahmen: "Die Grundsatzentscheidung halte ich für richtig", sagt Johannes Gillrath, Leiter des Norbert-Gymnasiums in Knechtsteden. "Ich kann schon viele Vorteile in G9 erkennen, zum Beispiel, was die größere Reife der Kinder betrifft." Auf der anderen Seite würden die Schüler durch G 9 und die "absolut notwendige Ganztagsbetreuung sehr viel Zeit in der Schule verbringen". Hans-Jürgen Niehues, Vorsitzender der Stadteltern, "begrüßt" die Rückkehr zu G 9. Er selbst ist mit diesem Thema eng befasst, weil er als Eltern-Vertreter des Leibniz-Gymnasiums bei der Landeselternschaft NRW mitarbeitet. "Die hatte eine wissenschaftliche Untersuchung bei einer breiten Zielgruppe angestoßen. Danach waren 75 bis 80 Prozent für die Wiedereinführung von G 9." Er fordert eine generelle Rückkehr zu G 9 und "keine Verschiebung der Entscheidung in die Schulen". Niehues glaubt, dass der Wechsel von G8 zu G 9 "relativ einfach" möglich ist, "leichter, als es umgekehrt der Fall war". Sorge bereitet ihm allerdings, dass viel mehr Lehrer benötigt werden. Das sieht auch Gillrath so, "vor allem bei Lehrern in Mangelfächern wie Physik, Kunst oder Mathe ist der Markt leer gefegt". Für den Vorsitzenden der Stadteltern wird auf die Schulen auch eine große Platznot zukommen. "Die Räume für einen weiteren Jahrgang sind an den Schulen nicht vorhanden. Wenn G 9 auf Anhieb für alle Jahrgänge kommt, gibt es ein großes Problem." Ein Problem, das Geld kostet, siehe aktuell bei der Erweiterung der BvS-Gesamtschule.

Niehues spricht sich dafür aus, dass an den künftigen G9-Schulen die Möglichkeit besteht, "auf einer Autobahn nebenher das Abitur in acht Jahren zu machen". Das wünscht sich auch Johannes Gillrath für das NGK: "Vier Züge mit G 9 und ein Zug mit G8."

(schum)