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Dormagen: Schulkarriere in der Fremde

Dormagen : Schulkarriere in der Fremde

Ohne jegliche Deutsch-Kenntnisse kommt Tingjun Wu als Zwölfjähriger nach Deutschland. Mit einem Einser-Abitur verlässt er das BvA-Gymnasium und studiert nun Maschinenbau in Aachen.

Seit dieser Woche ist Tingjun Wu offiziell Student an der RWTH Aachen. Er hat sich für das Fach Maschinenbau eingeschrieben und bereits an Vorkursen teilgenommen. Sein Abitur hat der 21-jährige in diesem Jahr am Bettina-von-Arnim-Gymnasium gemacht - mit einem Notendurchschnitt von 1,6. Dabei kam der gebürtige Chinese erst mit zwölf Jahren nach Dormagen und sprach damals kein Wort Deutsch.

2001 lernte er Deutschland das erste Mal in den Ferien kennen. Seine Mutter nahm ihn damals mit auf die große Reise. Sie wollte in Deutschland BWL studieren und das Land vorher ein wenig kennen lernen. "Danach durfte ich mich dann entscheiden, ob ich bei meinem Vater in China bleiben oder mit meiner Mutter hierher kommen wollte", erinnert er sich. Obwohl für Tingjun damals alles fremd und ungewohnt war, entschied er sich für Deutschland. Im April 2003 zogen der damals Zwölfjährige und seine Mutter dann endgültig aus der Millionenstadt Nanjing im Osten Chinas in das beschauliche Dormagen. Die größte Herausforderung für den schüchternen Jungen war die fremde Sprache. Ein Jahr lang besuchte er einen Intensivsprachkursus am Quirinus-Gymnasium in Neuss. "Danach hatte ich dann nachmittags noch zwei- bis dreimal in der Woche Unterricht", erzählt er. Freunde fand er dennoch schnell. "Die Leute waren alle sehr nett und hilfsbereit und haben mich sofort angesprochen – auch als ich noch kein Deutsch konnte", erinnert er sich. Einer der größten Unterschiede neben der fremden Sprache war für Tingjun das westliche Essen: "Ich wusste überhaupt nicht, wie man mit Messer und Gabel isst", erinnert er sich und lacht.

Sein Erfolgsrezept, wenn etwas ungewohnt war: "Ich habe einfach die anderen Leute beobachtet und geschaut, wie sie sich verhalten. Dann kann man eigentlich nicht viel falsch machen." Bereut hat er seine Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, bis heute nicht. Er sieht vor allem die Vorteile des deutschen Schulsystems: "In Deutschland machen die eigentlichen Abiturprüfungen ja nur ein Drittel der Endnote aus. In China hängt fast alles von der Abschlussprüfung ab. Wer da nicht gut abschneidet, hat keine Chance", erzählt Tingjun. Viele Eltern zögen sogar in eine andere Stadt, um ihr Kind auf eine bessere Schule zu schicken. "Außerdem hat man hier viel mehr Freiheiten in der Schule." Heute unterscheidet sich Tingjun Wu kaum von seinen deutschen Altersgenossen. Er geht gerne ins Kino, liebt Actionfilme und Komödien. Zudem ist er ein absoluter Computerfreak.

(NGZ)