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Schulhund Lucy am Leibniz-Gymnasium in Dormagen: Abenteuer auf vier Pfoten

Abenteuer auf vier Pfoten : Ein Tag mit Schulhund Lucy in Dormagen

Lucy ist ausgebildeter Schulhund am Leibniz Gymnasium Hackenbroich. Das LGD ist die einzige weiterführende Schule in Dormagen, die einen Schulhund hat. Wir waren einen Tag lang dabei.

Wenn Lucy morgens um 7 Uhr ihr buntes Halsband angezogen wird, weiß sie genau, wo es hingeht: Zum Leibniz-Gymnasium in Hackenbroich, denn Lucy ist seit knapp einem Jahr der Schulhund dort. „An diesen Tagen freut sie sich immer sehr und wird in der Schule bereits im Lehrerzimmer herzlich begrüßt“, erzählt Besitzerin Antje Koch. Sie unterrichtet Englisch, evangelische Religion und Deutsch am LGD und nimmt Lucy mit in ihren Unterricht – von Klasse fünf bis zum Abiturjahrgang.

An diesem Montag hat Lucy sechs Stunden Schule in verschiedenen Klassen. In der Klasse 6b steht heute Englisch auf dem Stundenplan. Als die Schülerinnen und Schüler das Klassenzimmer betreten, wird Lucy freudestrahlend begrüßt. „Oh, wie schön, Lucy ist heute da“, ist von vielen zu hören. Die Hündin genießt die Aufmerksamkeit und lässt sich erstmal ausgiebig kraulen, bevor Antje Koch sie zu sich vor die Tafel ruft. Lucy hört aufs Wort – eine wichtige Voraussetzung für einen Schulhund. Auf ihrer roten Decke macht Lucy dann ein kleines Päuschen – ganz schön anstrengend so ein Schultag. Und das Thema „Comparison of adjectives“, zu deutsch: Steigerung von Adjektiven, ist für Hunde scheinbar auch nicht so spannend wie für Menschen.

 Lucy lässt sich nicht lange bitten. Für ein Leckerli von Antje Koch springt sie gleich mehrmals über Hindernisse.
Lucy lässt sich nicht lange bitten. Für ein Leckerli von Antje Koch springt sie gleich mehrmals über Hindernisse. Foto: Michaelis, Judith (jumi)
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Wenn Lucy sich genug ausgeruht hat, steht sie auf und geht durch die Klasse. „An manchen Tagen lässt sie sich dann auch gerne 30 Mal durchkraulen“, erzählt Antje Koch lachend. Für die Kinder ist es eine große Bereicherung, einen Hund mit im Unterricht zu haben. „Die Kinder lernen so in besonderer Weise, Rücksicht zu nehmen, denn ein Hund ist ja beispielsweise noch deutlich empfindlicher was die Lautstärke angeht“, meint Schulleiter Andreas Glahn. Und weil Lucy besonders ruhig, entspannt und menschenbezogen ist, kann sie auch helfen, Ängste abzubauen.

Mira hat eigentlich große Angst vor Hunden. „Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht“, erzählt sie. Als Lucy das erste Mal ihre Klasse besuchte, war Mira noch zurückhaltend. „Ich hatte Angst, habe aber schnell gemerkt, dass Lucy sehr lieb ist“, erklärt sie. „Dann habe ich Vertrauen gefasst und kann sie jetzt sogar streicheln“, sagt die Schülerin. Antje Koch freut sich sehr, wenn Kinder schaffen, mit Hilfe von Lucy ihre Ängste zu überwinden. Die Hündin ist dafür perfekt geeignet, „weil sie eben so lieb und ruhig ist.“

 Pfötchen geben kann Lucy natürlich auch. Und wenn die Hündin müde ist, nehmen die Kinder Rücksicht.
Pfötchen geben kann Lucy natürlich auch. Und wenn die Hündin müde ist, nehmen die Kinder Rücksicht. Foto: Michaelis, Judith (jumi)

Nicht nur entspannt, lieb und ruhig ist Lucy, sondern auch sehr gut erzogen und gehorsam. „Da steckt auch viel Arbeit der Besitzerin dahinter“, betont Andreas Glahn. Damit Lucy ein Schulhund werden konnte, musste sie zusammen mit Antje Koch eine besondere Ausbildung machen. „Den Eignungstest hat sie am Ende mit Bravour bestanden“, erzählt die Lehrerin stolz. Um dann auch wirklich den Unterricht begleiten zu können, musste das Einverständnis der Eltern eingeholt werden, Träger und Schulministerium zustimmen, und ein tiermedizinisches Gutachten vorgelegt werden. Außerdem muss ein Schulhund gut gepflegt und vollständig geimpft sein – 2G-Plus, sozusagen, auch wenn Corona in diesem Falle nicht dazugehört. „Es macht großen Spaß mit Lucy in der Schule und ist auch für die Kolleginnen und Kollegen ein Gewinn“, sagt Antje Koch.

Lucy ist nicht jeden Tag als Schulhund im Einsatz, etwa zwei- bis dreimal pro Woche begleitet sie Antje Koch zum Unterricht. Dabei wird genau darauf geachtet, dass es für die Hündin nicht zu anstrengend wird. „Wenn ich zum Beispiel Hofaufsicht habe, lasse ich Lucy an diesem Tag zu Hause“, erklärt die Besitzerin. „Sonst würde sich eine große Traube von Schülern um sie bilden, das wäre dann etwas viel für sie.“ Die Hündin leistet echte Beziehungsarbeit in der Schule, sie kennt „ihre“ Klassen und Kurse mittlerweile und agiert zusammen mit den Schülern . Das ist anstrengender als es von außen aussieht.

Weil Lucy so ein toller Hund ist, darf sie manchmal auch mit den Schülern toben. Die fünfjährige Hündin ist fit wie ein Turnschuh und kann problemlos über drei nebeneinander gestellte Tornister springen. Darum, ihr das kleine Leckerli zur Belohnung zu geben, reißen sich die Kinder der 6b regelrecht. Den Sprung wiederholt Lucy gerne und auch die Fotosession meistert sie wie ein Profi. „Lucy wird Model“, meint eine Schülerin. „Magic Lucy!“, rufen mehrere Kinder. Der Titel gefällt auch Antje Koch. Wenn Lucy am Nachmittag nach Hause kommt, hat sie erstmal frei und ist schlicht ein Familienhund. Die Schüler hingegen müssen Hausaufgaben machen: Einen kurzen Text über Lucy und ihre Hunde-Freunde Louis und Eddie schreiben, von denen Antje Koch ein Foto kopiert hat. Aufgabe: Vergleiche Lucy und ihre Freunde, auf Englisch natürlich. So machen sogar Hausaufgaben Spaß. „Lucy ist so eine Süße, so einen Hund hätte ich auch gerne“, sagt Niklas. Das dürften nach jedem Schultag mit Lucy (fast) alle Eltern hören.