Dormagen: "Schulen brauchen den Wettbewerb"

Dormagen : "Schulen brauchen den Wettbewerb"

Josef Zanders, Leiter des Norbert-Gymnasiums, im Gespräch mit NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten auf dem blauen NGZ-Sofa

Herr Zanders, Sie sind nicht nur ein Mann der Schule, sondern auch im Sport verwurzelt. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass der DHC Rheinland in der kommenden Saison in der zweiten Liga spielen darf?

Josef Zanders Die Begeisterung für den DHC, nicht nur in Dormagen, ist einfach riesig. Das wurde schon beim Aufstieg in die erste Liga deutlich. Der DHC hat es verdient, die Lizenz für die zweite Liga zu bekommen.

Was für Sie sicher auch eine Erleichterung ist?

Zanders Natürlich, auch wenn vor einiger Zeit zum Beispiel Golf als Sportart dazugekommen ist: Das Gros der 39 Plätze im Sportinternat Knechtsteden ist für Handballer vorgesehen. Und ehrlich gesagt, würde der DHC künftig in der dritten Liga spielen, wäre die Motivation unter den Jugendlichen gering gewesen. Doch es wird künftig wichtig sein ein Konzept zu entwickeln, um unabhängig von Sponsoren zu sein.

In Knechtsteden werden wirtschaftliche, mediale oder auch künstlerische Kompetenzen gefördert — wie wichtig ist diese breite Basis auch für den Erfolg der Schule?

Zanders Schulen brauchen untereinander Wettbewerb. Das ist wichtig, damit die Qualität der verschiedenen Schulsysteme steigt. Schule muss außerdem Profil zeigen. Unsere Basis ist die Orientierung an christlichen Werten.

In Knechtsteden wird gerne von einem Campus gesprochen. Für Sie ein Alleinstellungsmerkmal?

Zanders Es gibt sicherlich Internate oder Privatschulen mit vergleichbaren Angeboten. Ansonsten kenne ich keine Schule mit einer vergleichbaren Campus-Idee.

Das Norbert-Gymnasium beherbergt derzeit 1400 Schüler. Ist Ihr Ziel weiteres Wachstum oder gibt es eine Grenze?

Zanders Wir werden Schüler verlieren. 2013 werden uns 150 Schüler durch den Doppeljahrgang verloren gehen; hinzu kommt der demographische Faktor, der zu einem Rückgang führt.

Das wird sicherlich zu kleineren Klassen führen ...

Zanders Da müssen Sie die Kulturministerin fragen, ob das Geld im Schulsystem bleibt. Doch wir Lehrer sind in den vergangenen 30 Jahren skeptisch geworden. Die Versprechen halten immer nur bis zur nächsten Landtagswahl.

Was kann Schule sonst für hilfsbedürftige Schüler tun?

Zanders Ein Zauberwort ist die individuelle Förderung. Die Nichtversetzung soll die Ausnahme bleiben. Der Selektionsprozess muss abgeschwächt werden, um möglichst eine Chancengleichheit auch für benachteiligte Kinder mit Migrationshintergrund zu schaffen.

Sie selbst waren Schüler des heutigen Norbert-Gymnasiums und sind nach Ihrer Referendarzeit als Lehrer zurückgekehrt. Ist das gut?

Zanders 1975 hat Lehrermangel geherrscht. Da ich viele Lehrer aus meiner Schülerzeit kannte, stellte sich natürlich die Frage: Wie werde ich aufgenommen. Der damalige Schulleiter hat mich dann überzeugt.

Nach über 50 Jahren Knechtsteden steht bald Ihre Pension bevor. Wie haben Sie sich auf den Tag vorbereitet?

Zanders Natürlich erfasst mich Wehmut, wenn ich daran denke. Und ich werde die Entwicklung der Schule auch in Zukunft verfolgen. Doch ich bin auch der Meinung: Alles hat seine Zeit.

Ihren Lebensdaten nach zu urteilen sind Sie ein 68er. Waren Sie auch einer im politischen Sinne?

Zanders Ich habe während dieser Zeit in Köln studiert. Diese Zeit war sehr lebendig und mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen verbunden. Doch ich war schon damals eher konservativ, ein Revoluzzer war ich nie.

Wie nimmt das Norbert-Gymnasium als katholische Schule Einfluss auf die Wahl seiner Lehrer?

Zanders Lehrer sollten durch ihre Taten beispielhaft wirken, die Schüler ernst nehmen, tolerant und offen sein. Ein Kriterium ist natürlich, dass die Lehrer Kirchenmitglied sein sollen. Etwa 30 Prozent der Lehrkräfte sind inzwischen evangelisch — und die Auswahl ist schwieriger geworden als vor zehn oder 15 Jahren. Insbesondere in Mangelfächern haben wir nicht mehr die große Auswahl, auch noch das christliche Profil berücksichtigen zu können.

Und bei den Schülern, Stichwort Religionsunterricht?

Zanders Es gibt die vertragliche Bindung, dass die Schüler am Religionsunterricht teilnehmen müssen. Auch ein Hinduist — und dieses Beispiel gibt es bei uns auch — ist davon betroffen. Uns ist aber wichtig, dass der Religionsunterricht nicht missionarisch gelehrt wird, die Basis ist für uns eine wissenschaftliche.

Haben sich die Schüler im Laufe der Jahre verändert?

Zanders In jeder Zeit sind die aktuellen Schüler besonders schlecht — das geht schon seit der Antike so. Möglicherweise sind die Schüler heute unpolitischer. Die Lernbereitschaft ist aber nicht besser oder schlechter als früher.

Wie beurteilen Sie die Schulpolitik des Landes in den vergangenen Jahren?

Zanders Es war falsch, dass es dabei oft um ideologische Argumente ging, die nicht den Schulen gedient haben. Ein richtiger Ansatz ist, dass Referendare schon früh die Praxis kennenlernen und ein Orientierungspraktikum machen sollen, um zu erkennen, ob sie geeignet für den Beruf sind.

Welches ist das größte Schülerlob, das ein Lehrer bekommen kann?

Zanders Das ist einer von uns.

Jens Krüger fasste das Gespräch zusammen

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE