Dormagen: Schul-AG mit Wetterballon gegen Trump

Dormagen: Schul-AG mit Wetterballon gegen Trump

Das Bettina-von-Arnim-Gymnasium stellt sich beim Schulwettbewerb "Digiyou" aktiv der Behauptung "Der Klimawandel ist eine Erfindung". Dafür ließen die Schüler eine Klimasonde für Messdaten in Richtung Atmosphäre steigen.

Dass US-Präsident Donald Trump ein Skeptiker des Klimawandels ist, ist mittlerweile bekannt. "Der Klimawandel ist eine Erfindung", ist dabei nur eines seiner vielen umstrittenen Zitate. Das Bettina-von-Arnim-Gymnasium (BvA) hat sich die Frage gestellt, wie man in Zeiten von "alternativen Fakten" und einer Flut von widersprüchlichen Informationen als Schülerin oder Schüler noch Wahrheit und Fälschung voneinander unterscheiden kann. Die Antwort dazu hat eine Gruppe von Schülern und Lehrern bereits gefunden: Man muss selber aktiv werden. Mit einem eigenen Wetterballon-Projekt, bei dem Klimadaten erfasst werden, sollen Trumps Aussagen widerlegt werden. "Wir wollen überprüfen, wie sich das Klima verändert", erklärte Lehrerin Ina Hohn. "Wir planen auch schon den nächsten Ballon-Flug, um die Daten dann vergleichen zu können."

Die Schüler sowie die Lehrer waren kurz vor dem Start spürbar nervös und aufgeregt. Das Projekt weckte viel Interesse, ein Großteil der Schülerinnen und Schüler des BvA sowie die Lehrer und Schulleiter versammelten sich um den Ballon. Die Zuschauer-Kommentare waren zunächst teils belustigt bis skeptisch, "Stell dir mal vor, die lassen los und der Ballon fliegt weg" und "Als ob das funktioniert". Doch zusammen füllten die AG-Mitglieder den Ballon hochkonzentriert mit 4300 Litern Helium und befestigten anschließend die Klimasonde samt Fallschirm und selbst gebauter Messtechnik. Zusammen mit allen Zuschauern wurde der Countdown gezählt und die Sonde gen Himmel geschickt.

Auf der Sonde sieht man das Logo des BvA, zusätzlich eine Bitte an mögliche Finder, die Sonde zurück zu geben. Foto: Tinter Anja

Sieben Schüler hatten bei dem Projekt mitgewirkt und innerhalb der AG eine Sonde mit einem selbst programmierten Kleinstcomputer versehen, der durch verschiedene Sensoren und während des Fluges Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt und Luftdruck aufnimmt. "Die Vorbereitung hat echt Spaß gemacht, und es war toll, die Sonde jetzt endlich steigen zu lassen. Es ist wirklich interessant, und ich hoffe, das Projekt glückt", sagte Schüler Tobias Grupe (18) am Morgen.

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Die Freude beim Start war groß. "Schade, dass es so bewölkt ist, sonst hätte man mehr gesehen", meinte Lehrer Saber M'Barek. Die Aufmerksamkeit lag danach auf dem Handy von Chemielehrer Marcel Esser, denn die Sonde wurde mit GPS ausgestattet, das die Position, Höhe und Geschwindigkeit ermittelt und per SMS überträgt. Als fünf Minuten nach dem Start der Ruf kam "Ich habe eine SMS", befand sich der Ballon gerade in einer Höhe von 556 Metern bei einer Geschwindigkeit von 23,5 Stundenkilometern. Die Sonde sollte später mit Hilfe des GPS wiedergefunden und abgeholt werden. Für den Fall, dass die Technik versagen würde, war an ihr eine Nachricht für mögliche Finder angebracht, auf der auch der Name der Schule stand. Die Finder wurden gebeten, die Sonde zurück zu geben. Doch die meldete sich gestern gegen 12.30 Uhr und kündete von ihrem Sinkflug. Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich über Kaiserslautern. Lehrer und Schüler machten sich daraufhin auf den Weg, um das Gerät zu bergen.

Der Ballon wurde mit 4300 Litern Helium befüllt, was über einen Regler an den Flaschen kontrolliert wurde. Foto: Tinter Anja

Bereits seit dem Sommer liefen die Vorbereitungen für das Ballon-Projekt auf Hochtouren. Nach der Gründung der AG durch die Lehrer Marcel Essers, Saber M'Barek und Ina Hohn hatte sich das BvA bei dem Schulwettbewerb "Digiyou" beworben und ein Startkapital von 500 Euro erhalten. Doch um einen derart großen Ballon steigen lassen zu dürfen, musste zuvor ein Antrag bei der Landesluftfahrtbehörde eingereicht werden. "Wir mussten zunächst viele Voraussetzungen erfüllen - wie einen Fallschirm, der den Fall der Sonde abbremst, und eine Versicherung, falls die Sonde beim Landen beschädigt wird", sagte Ina Hohn. "Im September erhielten wir das Okay." Da das Budget von 500 Euro nicht ausreichte, mussten zudem noch weitere Sponsoren aufgetrieben werden. Der Ballon alleine kostete schon 250 Euro.

Trotz leichtem Regen halfen alle AG-Mitglieder bei den Vorbereitungen mit. Foto: Anja Tinter
(NGZ)