Schüler und Erwachsene gedenken in Dormagen-Zons der Pogromnacht-Opfer

Jüdischer Friedhof Zons: Bewegende Gedenkfeier zur Pogromnacht in Zons

Viele Dormagener setzten am Freitagabend ein deutliches Zeichen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung: Sie nahmen auf dem Jüdischen Friedhof auf der Zonser Heide an der rund halbstündigen Gedenkfeier für die Opfer der Pogromnacht teil.

Schüler des BvA und der Realschule Hackenbroich sprachen Texte, ebenso Jugendliche vom Raphaelshaus. Der Musiker Sven Jungbeck sang mit den Teilnehmern das Lied „Moorsoldaten“. Das städtische Kulturbüro und der Partnerschaftsverein Dormagen-Kiryat Ono, dessen Vorsitzender Uwe Schunder ein Gebet sprach, hatten das Gedenken ausgerichtet – am 80. Jahrestag der Anschläge und Überfälle der Nationalsozialisten auf jüdische Synagogen, Schaufenster und Wohnhäuser in Deutschland.

Daran erinnerte Bürgermeister Erik Lierenfeld in seiner Ansprache: „Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – von der nationalsozialistischen Propaganda widerlich als „Reichskristallnacht“ bezeichnet – markiert den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden zum systematischen und industrialisierten Massenmord.“ In dieser Nacht sei die Schwelle von Hass und Hetze zu Mord und Gewalt überschritten worden, so Lierenfeld: „Die Mitmenschlichkeit wurde mit Füßen getreten.“ Worte seien eben nicht nur Worte: „Aus Worte werden Taten. Und diese Taten prägen unsere Leben. Es ist dringend erforderlich, dass wir uns das immer wieder in Erinnerung rufen. Denn in Zeiten von Trollen und Hatespeech, von Mobbing und Das-wird-man-doch-wohl-mal-sagen-dürfen müssen wir uns genau das vor Augen führen: Wenn immer nur Angst geschürt und von Gewalt geredet wird, fließt irgendwann Blut“, mahnte der Bürgermeister.

  • Gedenken in Dormagen : Pogromnacht-Gedenken in Zons

Das Gedenken an den 9. November 1938 sei kein Ritual, keine Pose, so Lierenfeld: „Es ist ehrlicher Ausdruck einer sehr entschiedenen Haltung: Nie wieder!“ Die Zukunft bedeute „Friede, Freiheit und Mitmenschlichkeit.“ Er wünsche sich, dass zersetzende Kräfte entschiedener im Zaum gehalten würden, um aufzuzeigen, „wo in unserer Demokratie rote Linien verlaufen, die nicht überschritten werden dürfen“.

„Es braucht eine Gesellschaft, die die Kraft zu deutlichen Worten und Widerstand findet, bevor es zu spät ist. Bevor aus Diskriminierung Deportation und schließlich Vernichtung wird“, appellierte er daran, nie wieder zuzulassen, „dass Menschsein abhängig gemacht wird von Rasse oder Herkunft, von Überzeugung oder Glauben“.