Dormagen: Schüler studieren schon vor dem Abitur

Dormagen : Schüler studieren schon vor dem Abitur

Immer mehr Schüler in Dormagen haben schon vor dem Abschluss erste Scheine an der Universität gesammelt. Einer von ihnen ist Olgun Aktug. Der Abiturient des BvA hat an der Uni Köln einen Bachelor in Physik begonnen.

Wenn Olgun Aktug über das Studium spricht, klingt er abgeklärt. Der Bachelor in Physik habe ihm sehr viel Spaß gemacht, dennoch werde er sich für ein Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen bewerben. "Das ist praxisbezogener. Davon erhoffe ich mir bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt der 19-Jährige, der gerade sein Abitur gemacht hat. An der Universität Köln hat er in drei Semestern jeweils ein Modul erfolgreich abgeschlossen. Die Scheine werden in Aachen angerechnet, das hat er schon in Erfahrung gebracht.

Einen Schüler zu haben, der bereits vor dem Abitur an einer Hochschule studiert, war auch für das Bettina-von-Arnim-Gymnasium (BvA) Neuland. "Er war sozusagen unser Testschüler", sagt der stellvertretende Schulleiter Thomas Vatheuer. Den "Test" werten beide Seiten als bestanden: Olgun Aktug hat trotz der Doppelbelastung einen Notendurchschnitt von 2,2. Und die Schulleitung hat die Gewissheit, dass das Nebeneinander von Schule und Studium funktionieren kann. "Wenn ein Schüler jetzt Interesse anmeldet, schauen wir, ob es möglich ist", sagt Vatheuer. Bedingungen sind, dass die Noten gut sein müssen und die Lehrer von der Eignung des Schülers überzeugt sind. Denn dieser muss die für die Vorlesungen ausgefallenen Unterrichtseinheiten nacharbeiten.

Bereits seit vielen Jahren hat das Norbert-Gymnasium gute Erfahrungen mit Schülerstudenten gesammelt. Ein bis zwei Schüler gebe es jedes Jahr, die vor dem Abitur mit einem Studium beginnen würden. "Es nimmt zu", sagt Schulleiter Johannes Gillrath. Das Gymnasium nutze diese Möglichkeit, um besonders gute Schüler zu fördern. Die angehenden Abiturienten würden davon profitieren, bereits früh Erfahrung für ihre Studienzeit zu gewinnen. Dass die verkürzte Schulzeit dazu führe, dass weniger Schüler vor dem Abi studieren, glaubt Gillrath nicht. Schließlich betreffe die Verdichtung des Stundenplans vor allem die Sekundarstufe I.

Geht es nach Ulrich Halbritter vom Mathematischen Institut der Universität Köln, sollten noch mehr Schüler während der Schulzeit mit dem Studium beginnen. Zum Wintersemester 2000/2001 initiierte er an der Hochschule das erste Schülerstudium in Deutschland, inzwischen sind viele Unis dem Beispiel gefolgt. "Aus dem Kölner Raum könnten noch mehr Schüler an die Uni kommen", sagt er. Drei Prozent der Oberstufenschüler sei eine realistische Quote. Das würde die Zahl der Schülerstudenten an der Universität Köln weit übersteigen. Nach seiner Auskunft sind zum aktuellen Semester 78 Schülerstudenten gemeldet. Die Zahl liege im Sommersemester bei 70 bis 90, im Wintersemester bei 80 bis 100. Die Zahlen seien weitestgehend konstant. Die Universität profitiere von dem Programm. Etwa 75 Prozent der Schüler würden ihr Studium an der Uni fortführen.

Aus der Sicht von Olgun Aktug hat sich das frühe Studieren gelohnt. "Ich weiß nun genau, was ich will", sagt er. Während der drei Semester habe er das eigenständige Lernen verinnerlicht. "Es ist absolut keine verschwendete Zeit", sagt er.

(NGZ)
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