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Schüler am Norbert-Gymnasium schreiben Evangelium ab

Schul-Projekt in Knechtsteden : Norbert-Schüler schreiben Evangelium ab

300 Schüler, Eltern, Lehrer und Ehemalige haben am Norbert-Gymnasiums die Evangelien des Neuen Testaments abgeschrieben. Es ist ein Projekt, sich „handgreiflich“ mit der Bibel auseinanderzusetzen.

„Im Anfang war das Wort“- so beginnt Johannes sein Evangelium. Dieser Satz ist wahrscheinlich einer der am häufigsten zitierten Sätze aus der Bibel und wird nicht nur in religiösen Kontexten gerne genutzt. Die tiefe Bedeutung dieser Worte konnten die Mitwirkenden eines umfangreichen Projektes am Norbert-Gymnasium Knechtsteden in den letzten Wochen selbst erfahren: Etwa 300 Schüler, Eltern, Lehrer und Ehemalige machten es sich zur Aufgabe, die Evangelien des Neuen Testamentes abzuschreiben – von Hand, Wort für Wort. In einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst wurde am Dienstag Abend das erste fertiggestellte Exemplar, das Johannes-Evangelium, in der Basilika präsentiert und gesegnet. „Die Idee zu diesem Projekt kam im vergangenen Jahr auf, als wir 500 Jahre Reformation gefeiert haben. Weil das so ein tolles und aufwendiges Projekt ist, wollten wir uns es für dieses Jahr aufsparen, um es dann auch entsprechend zu würdigen“, erklärte Rolf Lenhartz, Lehrer und evangelischer Schulpfarrer am NGK.

Die Resonanz auf den Vorschlag, Teile der Bibel abzuschreiben und die Bereitschaft der Schüler, Eltern und Ehemaligen mitzumachen, war groß. „Schule ist eng getaktet, da bringt so ein Projekt den Alltag schon durcheinander. Dass die Bereitschaft trotzdem so groß war, hat uns überrascht“, sagte Lenhartz. Geschrieben wurde meist im katholischen und evangelischen Religionsunterricht. „Wir wurden in Gruppen eingeteilt und haben dann festgelegt, wer was schreibt. Es gab zum Beispiel Schüler, die gerne den Anfangsbuchstaben schön gestalten wollten, andere haben lieber nur geschrieben. Meistens haben vier Leute geschrieben und die anderen haben Unterricht gemacht“, erzählte Laurin Kling aus der Klasse 6e. „Diejenigen, die mitmachen wollten, haben vom Lehrer ein Kapitel bekommen und das abgeschrieben“, erklärte Luis Zabel aus der 6a. „Meist hat einer geschrieben und die anderen haben Unterricht gemacht.“ Beide meinten, dass es ein tolles Projekt ist. „Es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht! Auch wenn man natürlich unter Druck steht, dass man sich nicht verschreibt“, so Laurin.

Die Schüler waren sichtlich stolz, ihre eigenen Handschriften im fertig gebundenen Exemplar des Johannes-Evangeliums präsentieren zu können. Die anderen drei Evangelien sind teilweise noch beim Buchbinder, bei manchen muss noch etwas geschrieben werden. Die Kunstkurse der neunten Klassen haben Bilder der Basilika gemalt, die die Deckblätter der Bücher zieren. In den zahlreichen Schulgottesdiensten sollen die Evangelien künftig zum Einsatz kommen.

„So wird jeder Schüler wohl in einem Gottesdienst mal die Stelle hören oder lesen, die er oder sie selbst geschrieben hat“, meinte Schulleiter Johannes Gillrath. „Mir war wichtig, dass man sich sozusagen handgreiflich mit der Heiligen Schrift auseinandersetzt, dass man gemeinschaftlich etwas schafft, das bleibt“, erklärte er. „Ich bin überzeugt, dass wir Christen viele Dinge zusammen tun sollten, es gibt hier wirklich ein tolles Miteinander der Konfessionen. Das ist auch das, warum wir diese Schule so führen und was sie Schule ausmacht.“