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Dormagen: Schmerzen können Würde rauben

Dormagen : Schmerzen können Würde rauben

Dormagen "Würdig leben. Würdig sterben." Dieses Thema stand bei den Dormagener Gesprächen im Kulturzentrum Zons im Mittelpunkt, zu denen die Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen hatte.

Schirmherr und Moderator Hermann Gröhe (MdB) hatte als Referenten Nikolaus Schneider gewonnen. Er ist seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die NGZ sprach mit Schneider über die Bedürfnisse von Sterbenden und die wichtige Rolle der Angehörigen.

Nikolaus Schneider Zum würdigen Sterben gehört, dass dies in einem Rahmen und einem Raum geschieht, in dem sich der sterbende Mensch aufgehoben und angenommen fühlt. Ganz wichtig ist, dass er sein Sterben selbst mitgestalten kann.

Er darf nicht zum Objekt werden, weder medizinisch, noch organisatorisch: Wer vor Schmerzen nicht mehr ein noch aus weiß, kann nicht mehr aktiv gestalten. Und auch wer zur Verfügungsmasse wird, verliert seine Würde. Es darf nicht die Frage im Vordergrund stehen, wann das Krankenhausbett endlich frei wird.

Schneider Auf jeden Fall. Schmerzen können Würde rauben. Wenn ein Mensch nur noch Schrei ist oder sich vor Schmerzen krümmt, ist das nicht würdig.

Schneider Die Grenzen zur aktiven Sterbehilfe sind fließend, das muss jedem klar sein. Ich befürworte ganz klar, dass Schmerzmittel eingesetzt werden, selbst auf die Gefahr hin, dass sie als Nebenwirkung das Leben verkürzen können.

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Für mich ist jedoch die Grenze erreicht, wenn die Handlung eines Arztes nicht mehr der Schmerzlinderung dient, sondern aktiv das Leben eines Menschen beenden will. Diese Grenze dürfen wir nicht überschreiten.

Schneider Ich glaube, das war zu allen Zeiten sehr schwer. Mit diesem Thema haben sich Menschen noch nie leicht getan. Außerdem trägt die Palliativ-Medizin heute viel dazu bei, in Würde zu sterben. Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings, dass früher der Tod mehr zum Leben dazu gehörte.

Heute findet er nach einem Unfall auf Straßen oder im Krankenhaus statt, nicht mehr zu Hause. Kinder lernen nicht mehr, wie ein Sterbender begleitet werden kann, und diese Begleitung ist für alle Menschen der wesentlichste Punkt, wenn es zu Ende geht. Das ist ein Weg, den wir alle gehen müssen, ein einziges Mal, und wir brauchen liebevolle Unterstützung, um ihn bewältigen zu können.

Schneider Das ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Wir müssen uns um mehr Öffentlichkeit bemühen. Kirchengemeinden und Schulen sind Orte, an denen Sterben und Tod thematisiert werden müssen. Die Hospiz-Arbeit leistet hier einen ganz wesentlichen Beitrag, doch sie darf nicht versteckt am Rande der Gesellschaft arbeiten, sondern muss mitten in der Stadt auftreten.

Außerdem möchte ich Eltern Mut machen, ihre Kinder nicht von Sterbenden abzuschotten, sondern sie an der Begleitung auf diesem letzten Weg zu beteiligen.

(NGZ)