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Zündstoff in Dormagen: Schlüpfrige Feuerwehr-Kampagne zeigt Wirkung

Zündstoff in Dormagen : Schlüpfrige Feuerwehr-Kampagne zeigt Wirkung

Die Dormagener Feuerwehr sucht Verstärkung. Dafür hat sie 9000 junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren persönlich angeschrieben und bis jetzt auch zwei Anzeigen veröffentlicht. Die sorgen nun für reichlich Gesprächsstoff.

"Wir haben die dicksten Hupen... die längsten Schläuche...und wollen mehr als nur ein kurzes Abenteuer" — unter anderem mit diesem Slogan wirbt die Dormagener Feuerwehr seit vergangener Woche in Anzeigen in der Stadt um Nachwuchs.

Ingrid Fleckenstein: "Nicht geglückt." Foto: Hammer, Linda

Die Idee dazu kam nicht etwa von einer Werbeagentur, sondern von einer Arbeitsgruppe der Feuerwehr selbst. Der gehörte auch deren Chefin Sabine Voss an. Die freut sich jetzt über die große Resonanz der Aktion — und zwar einerseits über die, dass sich innerhalb der vergangenen vier Tage 15 junge Menschen bei den Dormagener Löschzügen gemeldet haben, um einmal unverbindlich an den Übungsdiensten teilzunehmen, andererseits aber auch über die Reaktionen im Internet.

Dort geht die Meinung zu den Sprüchen von "unsachlich, klischeebehaftet, frauenfeindlich", "Hört sich eher nach Feuerwehr im Swingerclub an", "Einfach nur peinlich", Ich würde gern den Werbefilm zu diesem absolut primitiven Slogan sehen" oder "Ich kann nur hoffen, dass diese Werbung nicht auf dem Schreibtisch einer Frau abgesegnet wurde" bis hin zu einem kurzen "Gefällt mir". Ein breites Spektrum.

"Seit Jahren versuchen wir, und nicht nur wir, sondern alle Feuerwehrverbände, auf uns aufmerksam zu machen, doch unsere Werbemaßnahmen werden einfach nicht wahrgenommen", findet Sabine Voss klare Worte. Nun sei endlich Aufmerksamkeit da, und zwar eine, wie Voss sagt, "mit der wir die Grundbedürfnisse der Menschen anregen". Auch Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann habe sie von diesem durchaus ungewöhnlichem Weg überzeugen können. "Außerdem", erklärt die Feuerwehrchefin, steht in der Anzeige ja nichts Unwahres, denn mit ihren Martinshörnern und Sirenen hat die Feuerwehr zweifelsohne die dicksten Hupen, ebenso unzweifelhaft auf ihren Einsatzwagen die längsten Schläuchen."

Was nun der Betrachter darin sehe, bleibe seiner Fantasie überlassen, sagt Voss. Dass sie polarisiert, weiß sie nur zu gut, doch der Erfolg, so meint sie, gebe ihr recht. Mit den bis jetzt 15 Anmeldungen zu Probediensten hätte man im Vergleich zu anderen Aktionen bereits eine Steigerung von 150 Prozent erreicht. Zwei Anzeigen sind bereits erschienen, eine dritte, so kündigt Sabine Voss an, werde es noch in dieser Woche.

Zwar sei auch sie froh über den Zuspruch, denn die Feuerwehr erfährt, sagt Ingrid Fleckenstein, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dormagen, dennoch: "Ich finde die Sprüche nicht so geglückt." Vor allem glaubt Fleckenstein nicht, dass dadurch Mädchen angesprochen werden, sich bei der Feuerwehr zu engagieren. Und vor allem weiblicher Nachwuchs wird gesucht. "Ich bin mit dem Bürgermeister und Frau Voss in Gesprächen", fügt Fleckenstein hinzu.

Dass diese Werbekampagne für kontroverse Diskussionen sorgen werde, sei ihm klar gewesen, sagt Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann. Dennoch habe er gegenüber der Feuerwehr klar formuliert: "Ok, probiert es aus."

Und der Erfolg spreche für sich, denn so viele Reaktionen auf eine Anzeige habe die Feuerwehr noch nie bekommen. "Offensichtlich erreicht man Aufmerksamkeit nur noch über drastische Bilder oder drastische Formulierungen", so Hoffmann und fügt hinzu: "Nicht nur der Absender, sondern auch der Empfänger bestimmt die Botschaft."

(NGZ)